Unsere Politiker sind so berechenbar: In den Tagen vor dem Weltfrauentag kommen alle aus ihren Büros gekrochen, wünschen den Frauen der Welt alles Gute und fordern eine Bekämpfung von Diskriminierung, Unterdrückung oder Ungleichheit. Und jedes Jahr wieder kriechen sie umgehend wieder in ihre Büros zurück und hoffen, dass das Kurzzeitgedächtnis der Österreichinnen und Österreicher versagen wird. Doch haben wir das wirklich nötig?

Eine selbsterfüllende Prophezeiung?

Brauchen wir eine "Frauenquote"? Dass heutzutage noch viel zu viele Männer in ihren Managerbüros sitzen und dementsprechend viel zu wenige Frauen es nicht schaffen, wird wohl definitiv bald der Vergangenheit angehören. Diese alten Aufsichtsräte oder Firmengründer, die möglicherweise Frauen bedeutend weniger zutrauen, werden - man verzeihe mir die Wortwahl - sowieso bald aussterben.

Die nachfolgende Generation ist aufgeklärter und klüger. Irgendwann wird - so glaube ich zumindest - ein Weltfrauentag kommen, an dem keine Politiker mehr nach einer Frauenquote schreien. Weil sich das alles von selbst geregelt hat. Weil die Parteien eventuell selbst mehr und mehr Frauen in die Politik holen, weil vielleicht in ein paar Jahren sogar die erste Bundeskanzlerin angelobt wird. Es wird sich alles zeigen. Eine Frauenquote selbst halte ich maximal für staatliche Unternehmen für sinnvoll und für ein Instrument der Vorbildwirkung. Aber eine Sache müsste man mir noch erklären.

Männer = € = Frauen

Seit ich mich für Politik interessiere, haben sich alle FrauenministerInnen darüber beschwert, dass eine Frau immer noch für dieselbe Arbeit viel weniger Geld verdient als ein Mann. Das ist natürlich anzuprangern und eine bodenlose Frechheit. Doch warum schafft man dazu nicht einfach ein Gesetz, das Unternehmen dazu verpflichtet, Frauen denselben Lohn zuzusprechen wie Männern? Verstöße könnten dann eingeklagt werden und somit der ungleichen Bezahlung ein Ende setzen.

"Alle Staatsbürger sind vor dem Gesetz gleich. Vorrechte der Geburt, des Geschlechtes, des Standes, der Klasse und des Bekenntnisses sind ausgeschlossen." So lautet Artikel 7 unserer Verfassung. Dieser Gleichheitsgrundsatz ist zwar immer wieder schön zu lesen und zu hören, doch gerade deshalb finde ich es einen Wahnsinn, dass die Politik bis heute so kläglich versagt hat, Ungleichheiten zu beseitigen. "Frauen werden aber schwanger, gehen in Karenz, bleiben zu Hause ...", wird oft argumentiert. Ist das eine Begründung, warum man Frauen weniger bezahlt? Ernsthaft?

Eine Änderung der Arbeitswelt, bitte!

Und nun zu einem Thema, das nicht nur Frauen betrifft: Wann fand eigentlich diese Veränderung der Arbeitswelt statt, die den Beruf zur Lebensaufgabe und die Erziehung der Kinder zur Nebensache machte? Viel zu oft jammern wir (egal ob Mann oder Frau) über die Kinder und Jugend unserer Gesellschaft, haben aber ganz einfach nicht mehr die Möglichkeit, wirklich die Rolle als Eltern ernst und die Erziehung voll und ganz in die Hand zu nehmen. Krabbelstuben, Tagesmütter, Kindergärten etc.: Die Politik baut auf diesem Paradoxon auf und fördert nicht die Familien, sondern vielmehr diese fragwürdigen Arbeitsverhältnisse.

Frauen und Männer dürften in der heutigen Zeit nicht mehr ungleich behandelt werden. Es passiert aber trotzdem. Was wir trotzdem nicht brauchen, ist eine ständige Diskussion um gendergerechte Sprache oder eine Frauenquote.

Vielleicht würde es schon reichen, wenn man den Werbemarkt etwas umwälzt: Ich würde angenehm schmunzeln, wenn zum ersten Mal ein Mann aufgrund einer verkalkten und kaputten Waschmaschine verzweifelt und eine Mechanikerin ihm erklärt, welches Produkt genau das verhindert hätte. Vielleicht baut ja diese ganze Ungleichheit auf diesen unsäglichen Stereotypen auf, die uns schon seit Jahrzehnten begleiten. (Leserkommentar, Dominik Leitner, derStandard.at, 8.3.2012)