Wien - Bis vor wenigen Jahren war die einzige Therapie bei gastrointestinalen Stroma-Tumoren (GIST) eine chirurgische Entfernung. Seither entwickelte alternative Behandlungsmethoden greifen auch nur zum Teil.

Nun entdeckte ein Forscherteam der MedUni Wien einen neuen Mechanismus, der wichtiger ist als die bisher bekannten, und Ansatz für neue Therapien sein könnte. Das berichtete die MedUni in einer Aussendung am Freitag.

Besondere Herausforderung

Für Krebsforscher sind GIST eine besondere Herausforderung. Einerseits sind diese meist im Magen lokalisierten Tumore relativ selten (ca. 100 Neuerkrankungen pro Jahr in Österreich) und deshalb schwer erforschbar.

Andererseits ist ihr Verhalten sehr unterschiedlich: Während ein Teil der GIST relativ harmlos ist, entwickelt ein anderer Teil Metastasen.

Seit einiger Zeit können diese Tumore mit zielgerichteten Therapien ("targeted therapies") behandelt werden. Da diese aber nicht bei allen GIST-Tumoren wirken, besteht an Behandlungsalternativen großes Interesse.

Protein spielt wichtige Rolle bei entzündlichen Erkrankungen

Ein Forscherteam rund um Peter Birner vom Klinischen Institut für Pathologie der MedUni Wien identifizierte nun das Enzym MAPKAP Kinase 2 als wesentlich für die Progression von GIST. Birner: "Diese Ergebnisse sind vor allem deshalb interessant, da über die Rolle von MAPKAP Kinase 2 bei bösartigen Krebserkrankungen bisher fast nichts bekannt war."

Bekannt war hingegen, dass dieses Protein eine wichtige Rolle bei entzündlichen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis spielt. Aus diesem Grund gibt es bereits mehrere selektive Hemmstoffe gegen MAPKAP Kinase 2. Laut Birner könnten diese Medikamente in Zukunft eventuell auch bei GIST-Patienten zur Therapie verwendet werden.

Die Entdeckung dieses Mechanismus relativiert auch die Bedeutung des Krebsgens ETV1, das bei GIST unter anderem durch MAPKAP Kinase 2 reguliert wird. Ende 2010 wurde in der führenden wissenschaftlichen Zeitschrift "Nature" eine Studie veröffentlicht, laut der ETV1 eine zentrale Rolle für die Entstehung und Progression von GIST spielt. Diese Annahme relativierten Birner und seine Forschergruppe nun zum Teil: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass MAPKAP Kinase 2 für die Progression von GIST offenbar wesentlich wichtiger ist als ETV1, das nur bei einem Teil der Tumore hochreguliert ist."

Österreich im internationalen Spitzenfeld

Die Arbeit der österreichischen Forscher wurde im Fachjournal "Clinical Cancer Research" publiziert. "Diese Studie ist auch insofern erfreulich, da sie zeigt, dass Österreich bei der Erforschung dieses seltenen Tumors im internationalen Spitzenfeld mitmischen kann, ohne dass es bei uns dahingehende große prospektive Studien wie beispielsweise in den USA gibt", so Sebastian Schoppmann von der Universitätsklinik für Chirurgie. (APA, 12.3.2012)