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Die Gelddrucker bekommen einen vierbeinigen Kollegen, der Euro-Papier erschnüffeln kann.

Foto: AP/Daniel Maurer

Wien - Das Unternehmen Oesterreichische Nationalbank (OeNB) bekommt demnächst den ersten vierbeinigen Mitarbeiter. "Dusty", ein im Innenministerium fürs Erschnüffeln von Geldscheinen ausgebildeter Labrador, wird in die OeNB-Tochter Gelddruckerei (OeBS) eintreten. Er soll verhindern, dass Geld verschwindet; der Verlust von 25 Bögen 500er-Scheinen ist ja immer noch ungeklärt.

In der OeBS-Schwestergesellschaft Münze Österreich AG arbeiten zwar keine Hunde, dort dürften eher ein paar davon begraben sein. Nach dem Auffliegen der OeBS-Schmiergeldaffäre wurden auch in der Münze die Bücher genau durchforstet - gegen zwei Ex-Manager ermittelt die Justiz. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Eins ist klar: Auch aus der profitablen Münze (prägt Österreichs Euro- und Cent-Münzen, Goldmünzen wie den Philharmoniker und Münzen für ausländische Kunden) flossen Provisionen. Etwa an die panamaische Venkoy, über deren Konten auch die OeBS-Gelder ihren Weg nach Syrien oder Aserbaidschan fanden.

Oh, wie schön ist Panama

Laut einem internen Revisionsbericht von November zahlte die Notenbank-Tochter von 2008 bis 2011 rund 2,2 Millionen Euro an 19 Provisionäre, am meisten war es 2008 in der Ära des (später über Abrechnungen gestolperten) Münze-Chefs Kurt Meyer: 750.000 Euro. Venkoy kassierte davon 536.063 Euro. Allerdings, so die Revisoren bei einer der Rechnungen: "Es ist nicht bekannt, ob überhaupt, und wenn ja, von wem, eine Vereinbarung mit Venkoy getroffen wurde." Allein 451.000 Euro flossen für die Vermittlung eines Goldmünzenprojekts, "Nachweise über die Erbringung der im Vertrag genannten Leistungen liegen uns nicht vor". Überwiesen wurde "ohne Freigabe".

Auch 2010 und 2011 schlossen die Münzer Verträge mit Venkoy; Geld floss keines mehr. Eine Sprecherin der Münze: "Heute erscheinen uns diese Zahlungen in einem anderen Licht. Erfinder des Systems war Meyer." Zur Erinnerung: Meyer wurde mit 309.000 Euro abgefertigt, fast ebenso viel bekam der gefeuerte Marketingmanager. Ganz regelmäßig war der Geldfluss von der Münze AG zur Gesellschaft für österreichisch-arabische Beziehungen (GÖAB; Präsident: Ex-Innenminister Karl Blecha, Generalsekretär: Fritz Edlinger). Sie bekam von 2004 bis 2011 knapp 119.000 Euro; pro Jahr waren es 15.000 bzw. 17.550 Euro. Edlinger erklärt das so: "Das ist der Mitgliedsbeitrag der Münze, die seit vielen Jahren Sponsorgesellschaft der GÖAB ist." Allerdings zahle die Münze das Zehnfache des höchsten Mitgliedsbeitrags (5000 Euro), denn: "Wir haben einen Beratungsvertrag mit der Münze, der heuer ausläuft."

Fritz Edlinger erstattet Bericht

Die Leistungen beschreibt er so: "Ich gebe den Münze-Managern Briefings über die arabischen Länder und erstatte Berichte. Zudem haben wir telefonischen Kontakt." Darüber hinaus stünden der Münze wie jedem GÖAB-Mitglied Datenbank und Bibliothek zur Verfügung. Provisionen oder Beraterhonorare seien das nicht; "und das Finanzamt hat unseren Status als gemeinnütziger Verein bestätigt".

In der Münze geht man sehr wohl davon aus, dass die 15.000 Euro "Mitgliedsbeitrag plus Beraterhonorare sind". Im Kooperationsabkommen mit der GÖAB seien genaue Leistungen fixiert; ob man den Vertrag verlängern wird, stehe noch nicht fest. Warum die Münzer bei der GÖAB landeten: 2004 ließen sie sich von der Wiener Arab Consult GmbH beraten (um 8750 Euro), zudem waren sie GÖAB-Mitglied. Die Arab Consult (Mitgesellschafter und Chef: Fritz Edlinger) ging später pleite, "die GÖAB übernahm 2005 die Beratungstätigkeit für uns", heißt es in der Münze.

Thema war diese Sache übrigens auch für den Rechnungshof. Er hat seine Münze-Prüfung vor kurzem abgeschlossen. (Renate Graber, DER STANDARD, 15.3.2012)