Blood-&-Honour-Shirts wurden gegen Anzüge und Steirerjopperl getauscht: acht Angeklagte im Alter von 21 bis 32 Jahren.

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Graz  - Man habe nicht "Heil Hitler! oder Heil Strache! " gerufen, sagen Richard P. und Christian J. am Mittwoch vor dem Straflandesgericht Graz. Sie sind zwei der acht Männer, die sich wegen schwerer Körperverletzung und Wiederbetätigung bei einem Überfall im Jänner 2010 im Studentencafé Zeppelin verantworten müssen.

"Heil Dir!" habe man gerufen, das hätten die Zeugen falsch verstanden, so Christian J., das sei "eine ganz gewöhnliche Grußformel". Richter Raimund Frei wird ungehalten, weil er sich "nicht gerne verscheißern lasst" von den Männern, die nichts mit Neonazis zu tun haben wollen: " Heil Dir ist nicht normal", ruft Frei.

17 Zeugen haben den Vorfall im Zeppelin beobachtet, andere einen weiteren beim Public Viewing des WM-Spiels Deutschland gegen Ghana im Juni 2010 am Karmeliterplatz, bei dem vier der Männer auch involviert gewesen sein sollen. Wegen Wiederbetätigung stehen die acht im Mai vor Gericht. P. gilt als "Leitwolf" der Gruppe, die in Blood-&-Honour-Leiberl Menschen schwerst verletzt haben soll. Er und J. wollen wie die anderen, unschuldig sein, erinnern sich an wenig und beantworten viele Fragen nicht. Dass Zeugen NS-Lieder von ihnen gehört haben, könne er sich nicht erklären, sagt P. grinsend.

Zwei Angeklagte, Stefan J. , der Bruder von Christian J.,und Markus L., behaupten zwei Jahre nach dem Vorfall plötzlich, nicht dabei gewesen zu sein. Warum sie das erst jetzt sagen, können sie nicht erklären. L. habe ein Alibi in Stockerau, wo er bei seiner Freundin und deren Eltern gewesen sei. Die Schwiegermutter in spe wolle aber nicht aussagen, weil sie "für die SPÖ arbeitet und der Prozess medial breit getreten wird." Statt Stefan J. und L. sind zwei schlägernde Unbekannte in den Erinnerungen der Angeklagten aufgetaucht: Groß mit schwarzem Haar. Mehr wisse man nicht.

Dass der Prozess Aufsehen erregt, mag auch daran liegen, dass die Brüder J. Funktionäre im Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) waren. Sie haben als einzige keine Pflichtverteidiger, sondern die selbe Anwaltskanzlei wie FPÖ-Nationalrätin Susanne Winter und Gerhard Kurzmann, Chef der Steirer-FP. Als Opfer-Anwältin Susanne Ecker eine Myspace-Seite von Christian J. vorlegt, wo dieser als "rechter Recke aus der Stadt der Volkserhebung" auftritt, kommt der in Verlegenheit.Wie berichtet, tauchten die Angeklagten Stefan J., Richard P. und Gerhard T. 2007 beim Sommerfest des neonazistischen Bunds Freier Jugend mit Ex-Vapo-Aktivisten Gottfried Küssel auf. Küssel ist wegen der Neonazi-Site Alpen-Donau in Untersuchungshaft. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 15.3.2012)

UPDATE: Ursprünglich stand in diesem Artikel "Heil Bier" statt "Heil Dir". Die Aussage wurde jedoch vom anwesenden Richter und den Journalisten falsch verstanden. Das Protokoll wurde dann von "Bier" auf "Dir" geändert. Richter Frei findet dies auch weiterhin "nicht normal".