business.pdf

Größe: unbekannt

Auszüge aus dem Businessplan von Dezember 2011.

Businessplan2010.pdf

Größe: unbekannt

Der Businessplan aus dem Jänner 2010.

Die ÖH Uni Wien versuchte bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Sachen Café Rosa die Gerüchte über eine Pleite des Cafés zu entkräften. Der wirtschaftliche Betrieb soll nun von einem Pächter übernommen werden. Ein Blick in den Businessplan des Cafés von Dezember 2011, der derStandard.at vorliegt (siehe Links), zeigt aber, dass eine Weiterführung des Cafés in der geplanten Form einen Verlust von 86.000 Euro gebracht hätte.

Insgesamt sind laut einer Auflistung des Vorsitzteams bisher 443.144,89 Euro an ÖH-Geldern für das Café bezahlt worden. Mehr soll es auch nicht mehr werden. Die ÖH der Uni Wien sucht derzeit jemanden, der den Betrieb des Cafés übernimmt. Eine Verpachtung wird in Betracht gezogen, der wirtschaftliche Betreiber soll die Kosten für das Café tragen. Es hätten sich bereits sehr viele Interessenten gemeldet, sagte Jakob Zerbes, Sachbearbeiter des Café Rosa. Die Verhandlungen würden bereits laufen. Die ÖH bleibe weiter die Besitzerin des Cafés, betonte er. 

Kein Küchenbetrieb erlaubt

Unter Druck kam das Café laut den Angaben von Zerbes durch "erweiterte Investitionen", das Defizit sei größer als im Businessplan vorgesehen. Welche Investitionen das genau betraf, wollte Zerbes nicht ausführen. Im Businessplan von Dezember 2011, der in Auftrag gegeben wurde, weil das Café schlecht lief, werden mehrere Gründe aufgezählt. Einerseits habe sich herausgestellt, dass in der Betriebsanlagen-Genehmigung kein voller Küchenbetrieb erlaubt ist. Das geplante billige Mittagsmenü für StudentInnen konnte also nicht angeboten werden. Außerdem funktionierte im Sommer die Klimaanlage nicht, was "Umsatzeinbrüche zur Folge hatte". Die Produktpalette erwies sich laut Businessplan als "zu breit gefächert", Logistikprobleme und unzureichende Deckungsbeiträge waren die Folge.

Auch die Lage des Lokals ist nicht optimal. So heißt es im Businessplan, dass wenig "Laufkundschaft" vorbeikam und rund um das Café andere Lokale eine ähnliche Zielgruppe ansprechen. 

"Zahlen sind nicht besser geworden"

Da das Lokal schlecht lief, wurde im August 2011 eine neue Geschäftsführung eingesetzt. "Nach dem Wechsel der Geschäftsführung im August sind die Zahlen im November nicht besser geworden", sagte Zerbes auf der Pressekonferenz. Im Businessplan heißt es dazu: "Die reine Fortführung der bisherigen Betriebsgewohnheiten würde hingegen einen Verlust von ca. 86.000 Euro (für das Jahr 2012, Anm.) mit sich bringen." Und weiter: "Noch im Laufe des Dezember 2011 wird das Café Rosa ohne weitere Zuschüsse oder Darlehen seitens der ÖH Uni Wien zahlungsunfähig sein. Das Startkapital von 80.000 Euro wird bis dahin aufgebraucht sein. (...) Der laufende Betrieb ist bei weitem nicht kostendeckend."

Die Konsequenz dieser Feststellung ist bekannt: Bei einer Sitzung der Universitätsvertretung wurden weitere 45.000 Euro zugeschossen, das Personal entlassen und der Betrieb auf die Abendstunden reduziert. Mit der Weiterverpachtung des Cafés versucht die ÖH Uni Wien jetzt die Kurve zu kriegen.

Das Café wird derzeit ehrenamtlich von StudentInnen betrieben wird. Die Öffnungszeiten von 18 bis 24 Uhr sollen eine Übergangslösung für den März sein. Sobald ein Betreiber gefunden wird, der das Café übernimmt, werden wieder andere Öffnungszeiten gelten, hieß es. 

165.000 Euro Ablöse

Bei der Pressekonferenz verteidigte die ÖH Uni Wien die Höhe der Ausgaben, die bisher getätigt wurden. Die 80.000 Euro für den Umbau seien deshalb nötig gewesen, weil das Lokal behindertengerecht umgebaut wurde. In die Ablöse sind insgesamt 165.000 Euro geflossen. Von diesem Geld seien unter anderem auch die Lokaleinrichtung und Teile der Küche bezahlt worden. Die Höhe der Miete entspreche der Lage des Lokals. "Ein Studibeisl im 23. Bezirk bringt niemandem etwas", so Jasmin Rückert (GRAS), zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der ÖH Uni Wien.

Wissenschaftsministerium überprüft

In die Kritik war das Café auch gekommen, weil es von einem eigens gegründeten Verein der ÖH Uni Wien betrieben wird. Die AktionsGemeinschaft (AG) hatte vermutet, dass dies deshalb passierte, weil bei der Gründung eines Wirtschaftsbetriebes die Zustimmung des Wissenschaftsministeriums notwendig ist. Man habe sich deshalb entschieden, einen Verein zu gründen, weil es kein "Profitinteresse" gebe, sagt Rückert dazu. Die Gründung einer Kapitalgesellschaft, also etwa einer GmbH, wie sie im Gesetz vorgesehen ist, würde dazu "im Widerspruch" stehen.

Aus dem Wissenschaftsministerium heißt es gegenüber derStandard.at dazu, dass die Kontrollkommission bereits prüft, ob der Verein gegründet wurde, um eine Bewilligung zu umgehen. "Die Kontrollkommission hat der ÖH an der Uni Wien von Beginn an mehrmals empfohlen, von diesem Projekt Abstand zu nehmen", so die Sprecherin von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle. Bei der Pressekonferenz betonte Rückert, dass sich die ÖH der Uni Wien durch ein Rechtsgutachten abgesichert habe. "Natürlich kann es sein, dass das Ministerium eine andere Rechtsauffassung hat", so die Studentin.

Der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) hat mittlerweile wegen des Verdachts der Untreue gegen Stefanie Bielowski, die Vorsitzende des Vereins, sowie gegen die aktuelle ÖH-Bundesvorsitzende und damalige Wirtschaftsreferentin der ÖH Uni Wien, Janine Wulz (GRAS), eine Anzeige eingebracht. Julia Kraus (KSV-LiLi), Mitglied des Vorsitzteam der ÖH Uni Wien, wies die Vorwürfe des RFS zurück. Man habe sich nie bereichert, betonte auch Sprecherin Rückert.

Grundsätze "nicht aus Jux und Tollerei"

Kraus betonte, dass es bei der Idee des Cafés vor allem darum gegangen sei, einen offenen Raum "frei von jeder Diskriminierung" zu schaffen. Die Grundsätze des Cafés seien nicht aus "Jux und Tollerei" entstanden, sondern "haben einen konkret gesellschaftlichen Anspruch". Der Grundsatz der Anti-Heteronormativität etwa diene dazu, den "Lebensrealitäten jenseits von Zweigeschlechtlichkeit und Hetero-Partnerschaft gerecht zu werden". Dass sich das Café als anti-klerikal verstehe, würde nicht bedeuten, dass religiöse Menschen diskriminiert werden, sondern dass man gegen "religiös motivierte Ressentiments" auftrete. Es sei den Betreibern des Cafés bewusst, dass sie nicht "die Welt retten können". "Manch idealistischer Anspruch wurde von der materialistischen Realität eingeholt", so Kraus. 

Wulz weiterhin Kassiererin

ÖH-Vorsitzende Janine Wulz will sich öffentlich nicht zur Finanzgebarung des Vereins äußern. "Die ÖH Uni Wien ist eine eigenständige Institution, für die ich nicht sprechen kann", sagt sie im STANDARD-Gespräch.

Doch zur Zeit der Eröffnung des Cafés war Wulz Wirtschaftsreferentin der ÖH Uni Wien, das Vereinsregister führt sie nach wie vor als Kassiererin des Betreibervereins. Bei der nächsten Generalversammlung im Herbst will Wulz dieses Amt zurücklegen - an einen Rücktritt als ÖH-Vorsitzende denkt sie hingegen nicht. (Lisa Aigner, Clarissa Böck, derStandard.at, 15.3.2012)