Rom - Italienische Homosexuellen-Verbände, die für die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Italien kämpfen, feiern einen wichtigen Erfolg. Das Kassationsgericht in Rom betonte in einem von Homosexuellenverbänden als historisch bewerteten Urteil, dass Homosexuellen-Paare "Recht auf ein Familienleben" haben. Daher müssten ihnen dieselben Rechte wie verheiratete Paare gesichert werden. Der Geschlechtsunterschied als Bedingung für die Ehe sei ein überwundenes Prinzip, betonten die Kassationsrichter.

Das Kassationsgericht musste sich zum Fall eines italienischen homosexuellen Paares aussprechen, das in den Niederlanden geheiratet hatte. Das Paar hatte daraufhin die rechtliche Anerkennung ihrer Ehe in Italien gefordert. Das Kassationsgericht lehnte die Forderung ab, da das italienische Gesetz Ehen von Lesben und Schwulen nicht vorsieht. Die Richter urteilten jedoch, dass homosexuellen Paare dieselben Rechte zugesprochen werden müssen, die das Gesetz verheirateten Paare sichert.

Widerstand aus katholischen Kreisen

Der italienische Homosexuellenverband Arcigay begrüßte das Urteil des Kassationsgerichts. Dies könne den Weg zu einer Anerkennung des Rechts auf Homosexuellen-Ehen führen. "Italien ist das einzige europäische Land, das nicht einmal zusammenlebenden homo- oder heterosexuellen Partnern Anerkennung garantiert. Uns bleibt die Hoffnung, dass das EU-Parlament Italien bald zwingen wird, seine Gesetzgebung zu ändern. Es ist undenkbar, dass italienische homosexuelle Paare auswandern müssen, damit ihre Rechte anerkannt werden", erklärte Arcigay-Sprecher Franco Grillini.

Eine Gesetzesvorlage zur rechtlichen Anerkennung homo- und heterosexueller Lebenspartnerschaften war 2006 dem Parlament von der Mitte-Links-Regierung unter dem italienischen Ministerpräsident Romano Prodi vorgelegt worden. Sie konnte jedoch wegen des scharfen Widerstands aus katholischen Kreisen nicht durchgesetzt werden. Seitdem ist das Thema nicht mehr in Angriff genommen worden. (APA, 16.3.2012)