Prishtina - Ein Gericht in der kosovarischen Hauptstadt Prishtina (Pristina) hat am Mittwoch die Enthaftung des wegen Kriegsverbrechen angeklagten früheren Verkehrsministers Fatmir Limaj und weiterer neun mitangeklagter Personen angeordnet. Der aus internationalen und lokalen Richtern gebildete Gerichtssenat hatte zuvor die Tagebücher eines geschützten Kronzeugen, der im vergangenen Herbst in Deutschland Selbstmord begangen hatte, nicht als Beweismittel zugelassen.

Die Richter stellten laut einer Aussendung der EU-Rechtsstaatsmission EULEX fest, dass es den Anklägern nicht gelungen sei, einige Prozessnormen zu erfüllen. Deshalb seien die Beweise des geschützten Zeugen Agim Zogaj nicht zugelassen.

Der frühere Verkehrsminister und Vizevorsitzende der regierenden Demokratischen Partei (PDK) muss sich wegen des Vorwurfs der Folterung und Ermordung von sieben Serben und eines Kosovaren während des Krieges im Kosovo 1998/99 verantworten. Die Anklage wirft ihm zudem vor, im Gefängnis der "Befreiungsarmee des Kosovo" (UCK) von Kleqka (Klecka) südlich der Hauptstadt Prishtina persönlich einen serbischen Gefangenen gefoltert und die Erschießung von zwei serbischen Polizisten angeordnet zu haben.

Mit Ausnahme von Limaj waren die angeklagten einstigen UCK-Angehörigen im März 2011 festgenommen worden. Der Parlamentsabgeordnete Limaj war erst im September unter Hausarrest gestellt worden. (APA)