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"Herr Bouvier ist ein Freund, den kenne ich länger, als ich in der Politik bin."

Foto: APA/ROBERT PARIGGER

Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) bei der Jagd mit dem Unternehmer Erwin Bouvier: Bilder vom gemeinsamen Ausflug der beiden Tiroler wurden am Dienstag in der ORF-Sendung "Report" gezeigt und sorgen nun für Aufregung.

In einem Video auf tirol.orf.at rechtfertigt sich Platter: "Wer mich kennt, weiß, dass ich in all meinen politischen Funktionen äußert sauber war und anständig gearbeitete habe." Es sei "ungeheuerlich", mit welchen Mitteln und Methoden die Oppositionsparteien "mich in kriminelle Machenschaften drängen". Platter verwehrt sich dagegen, "dass ich meine Freizeitaktivitäten rechtfertigen muss". Er will sich auch in Zukunft selbst aussuchen, "mit wem ich auf den Berg, eine Skitour oder vielleicht allenfalls einmal auf eine Jagd gehe".

"Meine Privatsache"

Auf die Frage, ob er nichts Verwehrfliches darin sehe, dass er sich auf die jagd habe einladen lassen, antwortet der ÖVP-Politiker: "Herr Bouvier ist ein Freund, den kenne ich länger, als ich in der Politik bin, seit 40 Jahren. Wenn er sagt: Günther, wir gehen mit, haben wir gemeinsam ein Jagderlebnis, so ist das meine Privatsache." Das in Verbindung zu bringen mit seiner Tätigkeit als Landeshauptmann sei völlig falsch.

Im Interview bestätigt Platter, dass er den Abschuss nicht selbst bezahlt habe: "Nein, wir sind Freunde. Den habe ich nicht bezahlt. Wieso soll ich das tun, wenn wir uns begegnen? Wenn wir danach etwas essen gehen, bezahle ich das wieder. Wie das unter Freunden so üblich ist."

Harsche Kritik übt Platter an der Opposition: "Die Jagd wird derzeit kriminalisiert, und das kann es nicht sein." Die Jagd habe eine große Tradition im Land Tirol. Für einen Landeshauptmann müsse es möglich sein, im eigenen Land die "karge Freizeit" zu verbringen.

Opposition ortet unzulässige Geschenkannahme

Die Opposition will Platters Rechtfertigung aber so nicht hinnehmen. Es mache sehr wohl einen Unterschied, ob ein Politiker mit Freunden auf den Berg gehe oder zu einem Abschuss eingeladen werde, kritisiert Gebi Mair von den Grünen. Schließlich sei der Wert eines Abschusses beträchtlich.

Für Hannes Gschwentner vom Koalitionspartner SPÖ haben Politiker eine besondere Sorgfaltspflicht, wenn es um Einladungen geht - insbesondere dann, wenn der Verdacht entstehen könnte, dass durch die Einladung ein Vorteil für den Betreffenden entsteht. Er würde sich - wäre er ein Jäger - nicht gratis auf Abschüsse einladen lassen, so Gschwentner. (red, derStandard.at, 22.3.2012)