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Investoren sind die Reformen in Spanien zu wenig, der Bevölkerung gehen sie zu weit.

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Madrid/Wien - Investoren verlieren das Vertrauen in Spanien. Die Staatsanleihen des Landes stehen unter massivem Verkaufsdruck, und die Zinsen auf zehnjährige Papiere sind am Mittwoch zwischenzeitlich über die Marke von 5,5 Prozent geschnalzt. Nach den beiden milliardenschweren Geldspritzen der Europäischen Zentralbank in das Finanzsystem waren die Finanzierungskosten von Spanien Ende Februar unter die Marke von 4,85 Prozent gesunken. Seit damals ist bekannt, dass Spanien seine Defizitziele für 2012 verfehlen wird. Statt 4,4 Prozent Defizit im Vergleich zur Wirtschaftsleistung strebt die Regierung nun nach Absprache mit den Europartnern 5,3 Prozent an.

Sorgen um Bankensektor

Ökonomen warnen, dass das Land weiter hinter den Erwartungen zurückbleiben wird. Die Baustellen: die Rezession und der Bankensektor. Die Analysten von Citigroup warnen, dass das Defizit in Spanien 2012 über die Marke von sechs Prozent steigen dürfte. Die Wirtschaft werde dieses Jahr nämlich deutlicher schrumpfen, die Investitionen niedrig bleiben, und die Steuereinnahmen würden diesem Trend folgen. Das erfordere weitere Reformen, die auf immer größeren Widerstand treffen. Für kommende Woche ist ein Generalstreik geplant.

Gleichzeitig stehen am Immobilienmarkt noch weitere Probleme an. Die steigende Arbeitslosenrate von aktuell rund 23 Prozent wird zu weiteren Kreditausfällen und fallenden Immobilienpreisen führen. "Es gibt noch einen massiven Überhang an Immobilien in Spanien, und wir erwarten einen starken Preisverfall", warnt Dario Perkins vom britischen Analysehaus Lombard Street Research: "Das wird den spanischen Bankensektor hart treffen, und schlussendlich wären signifikante öffentliche Geldspritzen nötig."

Willem Buiter, der Chefökonom der US-Bank Citigroup, hat am Mittwoch sogar gewarnt, dass es für eine Umschuldung Spaniens "ein größeres Risiko als jemals zuvor" gebe. Doch auch Kollegen von Buiter warnen, dass Spanien hinter Italien zurückfallen wird: "Die Budgetkonsolidierung ist mühsamer, und die Banken sind in einem schlechteren Zustand als in Italien", warnen die Ökonomen der Economist Intelligence Unit in ihrem Wirtschaftsausblick.

Spanien bleibt hinter Italien

Das sehen auch die Kapitalmärkte so. Zu Jahresbeginn stand noch Italien im Rampenlicht, und Investoren kauften die Schuldtitel der drittgrößten europäischen Volkswirtschaft nur für zwei Prozentpunkte mehr Zinsen als bei spanischen Papieren. Heute aber rentieren spanische zehnjährige Papiere rund 0,4 Prozentpunkte mehr als ihre italienischen Pendants. (sulu, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 23.3.2012)