Graz - Im Prozess gegen acht Männer aus der rechtsextremen Szene wegen schwerer Körperverletzung soll es in Graz diese Woche ein Urteil geben. Wegen NS-Wiederbetätigung stehen sie wegen der beiden Vorfälle in einem Studentenbeisl und bei der Übertragung des WM-Spiels Ghana gegen Deutschland im Mai vor Gericht.

17 Zeugen zufolge brauchte es weder im Jänner 2010 im Lokal Zeppelin noch im Juni 2010 beim Public Viewing am Karmeliterplatz, wo vier der Männer ebenfalls waren, viel, um die Männer in Rage zu bringen. Einmal sei es das Lied der Ärzte Schrei nach Liebe (über einen Neonazi) in der Jukebox gewesen, nach dem sie um sich geschlagen haben sollen. Beim WM-Spiel sollen sie tätlich geworden sein, nachdem sie freie Sicht auf die Leinwand verlangt hatten.

Zum zweiten Vorfall sagte am Montag Grünen-Nationalrat Werner Kogler als Zeuge aus. Er schilderte den Abend, an dem sein Mitarbeiter schwer verletzt wurde und er selbst eine "volle Ladung Bier in Gesicht" bekam. Kogler habe zuvor schlichtend eingreifen wollen, als ein anderer Gast von der Gruppe geschlagen wurde. Er habe den Übergriff aufgrund von Rufen wie "Nigger" und "Sieg, Deutschland, Sieg!" als neonazistisch erkannt. Zudem sei ihm der "militärische Jargon" aufgefallen. "Abrücken!" habe es getönt, bevor man die Flucht antrat. Die Pflichtverteidiger wirken zusehends hilflos, belastetet doch seit zwei Wochen ein Zeuge nach dem anderen die Angeklagten, die schuldlos sein wollen.

Ein Anwalt versucht Kogler erfolglos in Widersprüche zu verwickeln, was dieser mit einem "Ich bin vom Untersuchungsausschuss einiges gewohnt, nur zu!", quittiert. Als sich der Anwalt weiter verheddert, fragt Kogler: "Soll ich Ihnen mit der Frage helfen?" Richter Raimund Frei merkt zum "Kreuzverhör" ungeduldig an, dass es wohl klar sei, dass nicht Kogler "dorthin gegangen ist, um eine Schlägerei anzuzetteln". Der psychiatrische Gutachter Martin Walzl und der medizinische Gutachter Eduard Peter Leinzinger bestätigten die teilweise schweren Verletzungen oder posttraumatische Belastungsstörung von sieben Männern und Frauen. Dass Koglers Mitarbeiter nicht weitergeschlagen wurde, verhinderte ein junger Tunesier, dessen Eingreifen das Opfer, das Todesangst verspürte, als "Wunder" beschreibt. Der Tunesier, der selbst einen Schlag ins Gesicht bekam, erzählt am Montag gelassen, man habe ihn "nicht verletzt, aber beleidigt". Geschlagen hat ihn der Angeklagte A., der als Einziger einen Schlag zugibt und sich optisch von der Gruppe abhebt. Als Einziger trägt der stämmige gelernte Koch weder strengen Scheitel noch Anzug und steht in Verhandlungspausen abseits der Gruppe, die teilweise Jus studiert. Als der Tunesier den Saal verlässt, steht A. auf und entschuldigt sich bei ihm. Dieser gibt lässig zurück: "Passt schon. Nächstes Mal nicht so viel trinken." (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 27.3.2012)