Tunis - In Tunesien gibt es Streit über eine Verankerung der Scharia in der Gesetzgebung. Die Regierungspartei Ennahda ist nach Aussage eines ranghohen Parteioffiziellen dagegen, das religiöse Gesetz des Islam in die Verfassung zu schreiben. "Wir wollen die Einheit unseres Volkes und keine Trennung", sagte Ameur Larayed am Montag im tunesischen Radio. In den vergangenen Wochen hatte unter anderem die drittgrößte Partei der verfassungsgebenden Versammlung verlangt, dass der Staat die Scharia als Grundlage für die Gesetzgebung anerkennen sollte.

Der Ennahda-Vorsitzende Rachid al-Ghannouchi hatte im Februar gesagt, seine Partei diskutiere noch über eine Einbindung der Scharia und habe sich noch nicht geeinigt. Ihre offizielle Position hat die Ennahda noch nicht bekanntgegeben. Die gemäßigt-islamistische Ennahda ist die größte der drei Koalitionsparteien der Regierung und distanziert sich von den Ansichten der Radikalen. Dadurch gefährdet sie jedoch die Unterstützung durch die konservativen Kräfte in Tunesien.

In den vergangenen Wochen hatten radikale Salafisten bei Protesten die Einführung eines islamischen Staats gefordert. Die Scharia verbietet unter anderem das Trinken von Alkohol und fordert Frauen dazu auf, sich zu verhüllen. (APA/Reuters, 26.3.2012)