Den Grunddurchgang gewonnen, die Platzierungsrunde ebenso, dazu ein formidabler Run in den Play-offs mit neun Siegen in den letzten elf Saisonspielen: Die Spielzeit 2011/12 wird als die bisher erfolgreichste in die Geschichte des Linzer Eishockeys eingehen, ähnlich von einem Team dominiert wurde die Liga zuletzt 2006/07 durch den EC Salzburg.

Nach elf vollen Erfolgen in den ersten zwölf Runden wartete ab Mitte Oktober ganz Eishockey-Österreich auf den Linzer Leistungseinbruch, eingestellt hat sich dieser jedoch nie. Mit Ausnahme des Übergangs von der Zwischenrunde zur Post Season haben die Oberösterreicher nie mehr als zwei Spiele in Serie verloren, letzten Endes war es vor allem die Konstanz, die den neuen Meister in dieser Saison auszeichnete.

Das glückliche Händchen

Seinen Ursprung fand der Linzer Titelgewinn des Jahres 2012 schon vor mehr als einem Jahr: Mit der Bestellung von Rob Daum zum neuen Head Coach läutete man an der Unteren Donaulände die von der größten Treffsicherheit der Klubhistorie gekennzeichnete Transferzeit ein. Der auf intensivem Videostudium des Trainers fußende Umbau des Teams, realisiert innerhalb eher enger budgetärer Grenzen durch das Management um Christian Perthaler, war von Erfolg gekrönt und mit der Schlüsselverpflichtung Curtis Murphy schon Ende Juni abgeschlossen. Es war das Frühjahr 2011, in dem Linz den Grundstein für den souveränen Finalerfolg 2012 über den KAC legte.

Klagenfurts "Quality Chances"

Dass die Endspielserie letztlich zur kürzesten seit fünf Jahren wurde, lag im Wesentlichen daran, dass es der Rekordmeister nie schaffte, an seine begeisternden Auftritte im Viertel- und Halbfinale anzuschließen. Der KAC ließ Innovation und Variation in seinem Angriffsspiel vermissen und konnte sich über die fünf Begegnungen betrachtet nie jene Anzahl wirklich aussichtsreicher Torchancen erarbeiten, die nötig gewesen wäre, um mehr als ein Finalspiel zu gewinnen. Bezeichnend, dass die Rotjacken alleine im Mittelabschnitt der letzten und entscheidenden Partie mehr "Quality Chances" vorfanden als im gesamten Spiel vier der Serie vor eigenem Publikum.

Beizukommen wäre der Linzer Defensive vor allem mit schneller vorgetragenen Angriffen gewesen, das diesbezüglich prädestinierte Speed-Duo Scofield/Spurgeon konnte verletzungsbedingt jedoch nur in einem Spiel der Serie gemeinsam auflaufen. Letztlich ein für den Rekordmeister nicht zu kompensierendes Manko.

Mangel an Körperspiel

Die Offensivabteilung der Black Wings, über weite Strecken der Saison wie auch der Finals vornehmlich vom ersten und zweiten Angriffsblock getragen, hatte es im Gegenzug wesentlich einfacher, zum Torerfolg zu kommen. So wurden etwa Zweitliniencenter Rob Hisey, wendiger Puckartist und Filigrantechniker, viel zu große Entfaltungsmöglichkeiten geboten. Symptomatisch, dass Linz seine größten Probleme in der Post Season mit den Vienna Capitals hatte, die es verstanden, Räume einzuengen und hart auf den Körper zu spielen.

Eine physische Komponente, die dem Spiel des KAC in der Finalserie fast gänzlich fehlte. Knackige, das Revier markierende Checks blieben Mangelware, die Rotjacken zogen nahezu die Hälfte ihrer Strafzeiten in den Endspielen aufgrund von Stockfouls. Klagenfurts Verteidiger spielten häufig nur den Begleitschutz für Hisey und Keller, verloren in den Ecken unzählige Zweikämpfe gegen Leahy. Kein einziger KAC-Defender beendete die Finalserie mit einer positiven Plus-/Minus-Bilanz.

Einsatz und Chemistry

Letzten Endes präsentierten sich die Black Wings auch als besser funktionierende Mannschaft. Kontinuierlicher Erfolg über die Saison hinweg und bedachtes Coaching machten aus dem in wesentlichen Teilen neu zusammenstellten Team eine verschworene Gemeinschaft, in der auch Kampfgeist und Einsatzfreude großgeschrieben wurden: 47:29 von Feldspielern geblockte Torschüsse in den Finalspielen drei bis fünf sprechen eine klare Sprache.

Entscheidend auch die Chemie innerhalb der Linien: Während Christian Weber beim KAC in jeder Partie neue Sturmlinien formierte, sich aber keine einzige Kombination hinsichtlich der offensiven Produktivität als längerfristig erfolgreich erwies, vertraute Rob Daum seinen Blöcken. Vor allem die zweite Angriffsreihe mit Hisey, Irmen und Keller erwies sich mit sieben Toren und 19 Punkten als ideale Waffe gegen die Rotjacken.

Special Teams und Goalies gleichwertig

Als in der Beantwortung der Frage nach dem Ausgang des Finales nur nebensächlich erwiesen sich zwei Kategorien, die sonst häufig als entscheidend erachtet werden: Sowohl im Powerplay als auch im Goaltending agierten beide Teams recht ausgeglichen. Nur jeweils drei Überzahltreffer ließen die durchwegs guten Penalty-Killing-Formationen zu, beide Torhüter agierten in etwa auf Augenhöhe. Der Linzer Schlussmann Alex Westlund mag den einen oder anderen vermeidbaren Treffer weniger kassiert haben, Klagenfurts relative Chancenlosigkeit im Verlauf der Serie ist aber sicher nicht Andy Chiodo anzukreiden. Letzterer wartet nach guten Play-offs aber insgesamt durchwachsener Saison (20 Siege, 20 Niederlagen) weiter auf seinen ersten Titelgewinn als Einsergoalie, während der US-amerikanische Black-Wings-Torhüter am Ende seines 681. Profispiels (davon 299 in der EBEL) endlich einen Pokal in die Höhe strecken durfte.

Nach dem zweiten verlorenen Finale binnen zwei Spielzeiten wird der KAC im kommenden Jahr einen weiteren Anlauf auf das 30. Championat der Klubgeschichte starten, an der Donau stehen hingegen vorerst Tage des Feierns und Genießens an. Im Anschluss daran warten allerdings harte Verhandlungen auf das Linzer Management, laufen doch die Verträge zahlreicher Leistungsträger aus. Sie alle konnten ihren Marktwert in der Saison 2011/12 als Teil einer ideal komponierten und organisierten Mannschaft steigern, teilweise sogar erheblich. Für den Klub besteht die nächste Reifeprüfung im bedachten und nüchternen Umgang mit dem völlig gerechtfertigten Titelgewinn, denn die Euphorie der letzten Linzer Meisterschaft mündete in ein finanzielles Chaos und die Neugründung des Vereins im Jahr 2005. (Hannes Biedermann, derStandard.at, 2.4.2012)