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Jeder Österreicher konsumiert acht Liter Eis pro Jahr.

Foto: APA/Barbara Gindl

Gesundes Eis ist mehr als eine Frage des Geschmacks, es ist eine Haltung. Der Trend im Stanitzel geht zum Gefrorenen aus biologischer Herkunft, die im Idealfall sogar bis zum Namen der Kuh zurückverfolgt werden kann. Eisproduzenten, die sich mit Neuheiten wie Frozen Yoghurt oder hausgemachtem Eis aus Bio-Milch durchgesetzt haben, verkaufen nicht nur gesunde Inhaltsstoffe, sondern auch eine gesunde Lebenseinstellung. Im modernen Eisbecher mischen sich glückliche Kühe und Biobauern, eine positive Ökobilanz und die Ambition nach gesunder Ernährung zu einer ordentlichen Portion gutem Gewissen.

Zertifiziertes Bio-Eis ist jedoch eine Frage der Inhaltsstoffe. Laut der Agrarmarkt Austria Marketing (AMA), die das rot-weiß-rote Biosiegel vergibt, darf gekennzeichnetes Bio-Eis nur Zutaten aus biologischem Anbau enthalten und der Verarbeitungsbetrieb muss biozertifiziert sein. Die erlaubten Zusatzstoffe wie Konservierungsmittel listet die EU-Verordnung 889/2008 auf. "Bio ist sehr strikt, was den Einsatz von Zusatzstoffen anbelangt", sagt Rüdiger Sachsenhofer von der AMA. "In die Produkte darf nur rein, was in der Verordnung aufgeführt ist. Kohlendioxid ist zum Beispiel zulässig, die Salze der Zitronensäure, Lecithin darf man einsetzen."

Bio mit Zucker

Das bestätigen auch die Unternehmenssprecherinnen von Spar und Rewe für ihre Bio-Eissorten. "In den 'Natur pur'-Eissorten sind selbstverständlich keine künstlichen Aromen oder Zusatzstoffe enthalten", betont Nicole Berkmann von Spar. Das Bio-Eis aus den Kühlregalen der großen Handelsketten wie "Ja! Natürlich" von Rewe oder "Natur pur" bei Spar trägt das EU-Biosiegel. Das heißt, das Eis enthält nur Bio-Zutaten und der biozertifizierte Hersteller wird einmal im Jahr nach der EU-Verordnung kontrolliert. "Das ist eine EU-weite Vorgabe, die Kontrolle passiert in jedem Land gleich", erklärt Sachsenhofer. Das Bio-Label bedeutet aber nicht automatisch, dass alle Zutaten auch gesund sind. Zucker beispielsweise behält, auch wenn er aus biologischem Anbau stammt, seine negativen kariogenen Eigenschaften.

Die gleichen Regeln gelten auch für kleine heimische Direktvermarkter, also für den Biobauern, der aus seiner Milch Eis machen möchte. Erstaunlich ist nur, dass der Bio-Boom im Kühlregal und an der Eistheke sich nicht in Zahlen niederschlägt: "In Österreich nimmt derzeit ein Bio-Betrieb am AMA-Biozeichen für Speiseeis teil", sagt Sachsenhofer. Trotzdem gibt es einige heimische Bio-Milchbauern, die Eis ab Hof produzieren und vor allem in der Region verkaufen. Dazu gehören zum Beispiel die Familie Stadler aus Oberösterreich und der Biohof Hansinger in Kilb bei Melk.

Das in Wien beliebteste Beispiel für die Eismanufaktur ab Hof betreibt die Familie Blochberger aus dem niederösterreichischen Krumbach, nämlich die "Eis-Greisslerei". Sowohl der Name als auch das Interieur zeugen von einer gelungenen Synthese aus trendiger Großstadt und ländlicher Idylle. "Unser Eis ist sozusagen teilweise zertifiziert. Wir sind ein Biobetrieb für Milch, also das Schlagobers und die Milch in unserem Eis sind bio", erklärt Andrea Blochberger. "Es wird noch etwa einen Monat dauern, bis wir einzelne Sorten haben, die zu 100 Prozent bio sind. Die Fruchtsorten wollen wir alle auf bio umstellen."

Cremig wie Softeis

Eine paradiesische Verbindung aus Geschmack, gesunden Zutaten und figurerhaltendem Kaloriengehalt versprechen die Produzenten von Frozen Yoghurt. Der Trend zu den gefrorenen Joghurt-Kulturen stammt aus Los Angeles und New York und hat im vergangenen Sommer in Wien in Gestalt der Eisdielen foxy und Kurt Einzug gehalten. Das Joghurteis hat die Konsistenz von cremigem Softeis und besteht oberflächlich betrachtet nur aus (Bio-)Joghurt, Joghurtbakterienkulturen, Magermilch und Zucker. Laut Wikipedia müssen diesen Zutaten noch Milchtrockenmasse, Gelatine und Zusatzstoffe wie Carrageen beigemengt werden. Das ist nicht alles hundertprozentig naturnah, aber laut Zusatzliste der EU-Bioverordnung (EU 889/2008) erlaubt.

Den geschmacklichen Kick beim Frozen Yoghurt liefern sogenannte Toppings. Das Verfeinerungsangebot reicht von Früchten über karamellisierte Nüsse bis zu Gummibären. Die Toppings überlassen dem Kunden die Entscheidung über den Kaloriengehalt seines Eises. 

Für Eisliebhaber eröffnen die Bio-Zutaten also zumindest Wege, mit ihrer Leidenschaft das ökologische Gleichgewicht in der Landwirtschaft zu fördern. Die Frage nach dem Gesundheitsgehalt lässt sich auch bei den Eisarten mit hohem Bio-Anteil nur mit "Ja! Aber" beantworten. (Gabriela Poller-Hartig, derStandard.at, 10.4.2012)