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Grafik: APA

Wien - Eigentlich sollte man im Wissenschaftsfonds FWF jubeln, wurde doch im Vorjahr ein Rekordbewilligungsvolumen von 195,2 Mio. Euro (plus 14,5 Prozent gegenüber 2010) zur Förderung der Grundlagenforschung erreicht. Für 2012 wird eine weitere Steigerung auf 203 Mio. Euro erwartet. Dennoch zeigte sich FWF-Präsident Christoph Kratky am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz zurückhaltend. Die Regierung habe sich zwar in ihrer Forschungsstrategie ehrgeizige Ziele in der Grundlagenforschung gesetzt, "die erforderlichen Maßnahmen dafür sind aber nur ansatzweise umgesetzt worden", so Kratky, der von einer "Stehpause" sprach und nicht weiß, ob es "weiter bergauf geht".

Die im Vorjahr von der Regierung beschlossene Forschungsstrategie sei "sehr hellsichtig", meinte Kratky und hofft, dass die Regierung die politische Kraft aufbringe, diese auch umzusetzen. Der FWF-Chef erinnerte an eines der Ziele der Strategie, den Anteil der Grundlagenforschung am Bruttoinlandsprodukt von derzeit 0,44 Prozent auf das Niveau führender Forschungsnationen zu steigern. In der Schweiz etwa sei der Anteil doppelt so hoch, noch krasser zeigt sich die Diskrepanz, wenn man die Aufwendungen im Verhältnis zur Einwohnerzahl berechnet. Dann kommen auf jeden Österreicher etwas mehr als 20 Euro für Grundlagenforschung, auf jeden Schweizer 80 Euro.

Mit einem weiteren Problem ist der FWF und damit die Grundlagenforscher konfrontiert: "Forschung wird immer aufwändiger und teurer", so Kratky, die Budgetsteigerung werde durch immer teurere Projekte kompensiert. Nur noch 25 Prozent der beantragten Förderungen könnten bewilligt werden, der "extrem selektive" FWF sei "in der Situation, einen erheblichen Teil der Fördernehmer ständig zu frustrieren".

Nachwuchsfinanzierung

80 Prozent der FWF-Förderungen würden für Personalkosten verwendet, im FWF sieht man sich deshalb primär als Financier des wissenschaftlichen Nachwuchs. "Wenn man uns Geld wegnimmt oder nicht genug gibt, hat das unmittelbare Konsequenzen auf die Zahl der jungen Wissenschafter in Österreich", so Kratky.

Schon länger verfolgte Ziele wie die Exzellenzcluster-Initiative oder flächendeckende Bezahlung der Nebenkosten von FWF-geförderten Projekten - diese Overhead-Kosten werden derzeit nur bei der Hälfte des Förder-Portfolios abgegolten - seien derzeit "nicht in Reichweite", so der FWF-Chef. Dabei wäre gerade die Exzellenzinitiative im Hinblick auf die langfristige Finanzierung des Institute of Science and Technology (IST) Austria dazu geeignet, "um dem Vorwurf der Ungleichbehandlung entgegenzuwirken". Im Vollausbau wären dafür 50 Mio. Euro pro Jahr notwendig, die flächendeckenden Overhead-Kosten würden im Endeffekt weitere 40 Mio. Euro pro Jahr erfordern - Summen, von denen der FWF derzeit nur träumen kann.

Zurückhaltend gibt sich Kratky bei der Bewertung der langfristigen Finanzierung des IST Austria, das von Bund und Land NÖ zwischen 2017 und 2026 1,4 Mrd. Euro erhält, sowie der gleichzeitig erfolgenden Restrukturierung der Akademie der Wissenschaften, die mit einem gleichbleibenden Budget in den nächsten Jahren auskommen muss: "Wir finanzieren Personen und nicht Institutionen, welche Strategie die Bundesregierung bei der Gründung bzw. Schließung von Einrichtungen verfolgt, ist nicht unsere Sache - uns ist jedes Kind gleich lieb."

"Translational Research" wird eingestellt

Konfrontiert ist der Fonds allerdings mit einer Kürzung der Zuwendungen des Infrastrukturministeriums, in dessen Auftrag der FWF in den vergangenen Jahren das Programm "Translational Research" abgewickelt hat. Bis zu 15 Mio. Euro pro Jahr wurden dabei für Projekte an der Schnittstelle von Grundlagenforschung und Anwendung vergeben, heuer stehen letztmalig drei Mio. Euro zur Verfügung, ehe das Programm ganz ausläuft, "das schmerzt uns schon sehr", wie FWF-Geschäftsführerin Dorothea Sturn, betonte. Kratky spricht sogar von einem "Schaden für den Forschungsstandort". (APA, 10.4.2012)