Für jene Kinder und Jugendlichen, die an einer Lese-Rechtschreib-Schwäche leiden, gibt es Hoffnung. Die Ursache der Schwäche liegt mutmaßlich in der Funktion der sprachrelevanten Regionen des Gehirns. Laut einer Studie am Institut für Psychologie der Karl-Franzens-Universität Graz kann durch richtiges Training nicht nur die Rechtschreibfähigkeit und das Leseverständnis verbessert werden, auch im Gehirn erfolgen positive Veränderungen.

In der Studie wurde unter der Leitung von Andreas Fink und Christian Enzinger der Effekt des morphembasierten Trainings untersucht. Ein Morphem ist die kleinste Bedeutung tragende Einheit einer Sprache, zum Beispiel eine Vorsilbe. Die Kinder lernen bei dem Training, die Schreibweise der Wörter anhand bestimmter Regeln abzuleiten. So wird bei dem Training das Wort in eine Vorsilbe, einen Wortstamm und eine Endsilbe unterteilt, wobei die Besonderheiten der einzelnen Silben eingeprägt werden. 

Fünf Wochen Training

"Vor dem Training zeigten rechtschreibschwache Kinder im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit durchschnittlichen Rechtschreibleistungen eine schlechtere Vernetzung der rechten Hirnhälfte, was eine weniger effiziente Kommunikation zwischen rechtsseitigen Hirnregionen vermuten lässt", so Daniela Gebauer, die im Rahmen des Forschungsvorhabens ihre Dissertation verfasste.

Kinder mit Rechtschreibschwäche wiesen vor dem Training eine stärkere Aktivierung frontal und in der rechten Hirnhälfte auf. "Das wiederum deutet auf erhöhte Aufmerksamkeit und die Verwendung einer Kompensationsstrategie hin, wie zum Beispiel das innerliche Vorsagen von Wörtern, um die Schreibweise zu erschließen", so Gebauer. Diese Strategie des Vorsagens führe zwar zu lautlich korrekten, orthografisch aber fehlerhaften Wörtern wie etwa "Lera" statt "Lehrer".

Das Training dauert fünf Wochen, in diesem Zeitraum ließen sich positive Veränderungen feststellen: Die rechtschreibschwachen Kinder verbesserten sich sowohl bei der Rechtschreibung als auch beim Leseverständnis. Die Ergebnisse der Studie werden bei einem Kongress in Graz vom 12. bis 14. April präsentiert. (red, derStandard.at, 10.4.2012)