Es ist keine Überraschung, dass die Waffenruhe in Syrien, die am Donnerstag beginnen soll, wahrscheinlich eine Illusion bleibt - aber es ist doch erstaunlich, wie wenig sich das syrische Regime schon vor Ablauf der Frist bemüht, diese Illusion aufrechtzuerhalten. Zwar sagte der syrische Außenminister am Dienstag, der Truppenabzug habe bereits begonnen, gleichzeitig tröpfeln immer mehr syrische „Bedingungen" ein: eine schriftliche _Zusage der Rebellen, die Waffenruhe einhalten zu wollen; bei der Zusammensetzung der Uno-Beobachtermission mitreden zu wollen und Ähnliches mehr.

Das Herumeiern kann zweierlei heißen, und sehr Gegensätzliches. Entweder das Regime sieht sich tatsächlich in einer letzten Phase des "Aufräumens", die die in der letzten Zeit geschwächten Rebellen vollends besiegen soll, und spielt einfach ein bisschen mit der Zeit. Oder das Regime sieht, dass sich das nicht ausgeht - wobei nie sicher ist, ob die Jasager rund um Assad das diesem auch deutlich kommunizieren - und sendet verworrene Signale.

Zur Realitätsverweigerung gehört auch, dass das Regime die Möglichkeit unterschätzt, Moskau und Peking, die auf die Waffenruhe pochen, völlig zu vergrämen. Diese beiden Mächte wollen den Status quo in der Region erhalten, der besonders fragil ist - und da gehört nicht dazu, dass Assad in seinem Überlebenskampf nun auch noch die Nachbarländer Türkei und Libanon mit hineinzieht. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 11.4.2012)