Bild nicht mehr verfügbar.

Gesine Lötzsch.

Foto: EPA/RAINER JENSEN

Berlin - Gesine Lötzsch tritt als Parteichefin der deutschen Linkspartei zurück. Die innerparteilich umstrittene Vorsitzende begründete den Schritt am späten Dienstagabend mit einer Erkrankung ihres Mannes. Die familiäre Situation lasse eine häufige Abwesenheit von ihrem Wohnort Berlin nicht mehr zu, hieß es in einer per E-Mail verbreiteten Erklärung. Lötzsch kündigte an, sie wolle sich in Zukunft auf ihr Mandat als Bundestagsabgeordnete konzentrieren. Lötzsch führte die Partei bisher gemeinsam mit dem Co-Vorsitzenden Klaus Ernst.

Lötzsch und Ernst standen seit Monaten wegen schwacher Umfragewerte unter Druck. Parteiintern wurde bereits damit gerechnet, dass bei einer Niederlage bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 13. Mai die Debatte um die Vorsitzenden neu angefacht wird.

Mögliches Opfer der Piratenpartei

Die Linkspartei könnte Umfragen zufolge in Nordrhein-Westfalen den Wiedereinzug in den Landtag verpassen. Damit würde die aus PDS und WASG hervorgegangene Partei fünf Jahre nach ihrer Gründung ein verheerendes Signal aussenden. Die Wahl zwischen Rhein und Ruhr gilt als wichtiger Test für die Bundestagswahl 2013.

Beobachtern zufolge könnte die Linkspartei ein Opfer des Erfolgs der Piratenpartei werden, die zuletzt auch bundesweit deutlich an Zustimmung gewann. Beide Parteien schöpfen aus dem großen Reservoir der Politikverdrossenen, die sich von Union, SPD, FDP und Grünen abwenden. Nach Umfragen gelingt es den Piraten aber besser als der Linkspartei, Protestwähler anzuziehen. (APA, 11.4.2012)