Gesine Lötzsch legt ihr Amt als Chefin der deutschen Linkspartei nieder, und viele Linke atmen insgeheim auf. Auch wenn ihr Rücktritt aus respektablen Gründen erfolgte, so bleibt ihr Wirken doch mit allerlei Peinlichkeiten verbunden - mal gab es Geburtstagswünsche an Fidel Castro im Stil des DDR-Politbüros, mal sprach sie sich dafür aus, Wege zum Kommunismus auszuprobieren. 

Nach der blassen Lötzsch wünschen sich viele Linke eine schillernde Figur an der Parteispitze: Oskar Lafontaine, der im Saarland ziemlich unterfordert wirkt. Zwar schweigt er noch beharrlich, aber der Druck, entweder als Parteichef oder als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2013 zur Verfügung zu stehen, wird wachsen.
Denn die Lage der Partei ist nicht rosig. Die überalterte ostdeutsche Mitgliedschaft stirbt aus, „linke" Positionen wie Finanztransaktionssteuer und Mindestlohn werden heute auch von Kanzlerin Angela Merkel vertreten. Bei den Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen im Mai droht die Linke aus dem Landtag zu fliegen.

Die Sehnsucht nach Oskar erscheint zunächst nachvollziehbar. Doch ein Comeback hätte viele Schattenseiten: Lafontaine ist ein Spalter; der Graben zwischen Fundamentalisten und Reformern im Osten würde wieder tiefer werden. Und mit ihm an der Spitze könnten führende Linke ihren Traum begraben, Schwarz-Gelb nach der Bundestagswahl 2013 gemeinsam mit SPD und Grünen abzulösen. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 12.4.2012)