Washington/Wien - Krebserkrankungen des Harntrakts sind in Taiwan ungewöhnlich häufig. Nun bestätigt eine neue Studie, dass höchstwahrscheinlich Pflanzenzubereitungen aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) bei vielen Betroffenen die Tumoren verursacht haben dürften.

Ein internationales Forscherteam um Chung-Hsin Chen vom National Taiwan University Hospital in Taipeh hat mithilfe von Genanalysen 151 Tumoren der oberen Harnwege untersucht. Eine spezielle Gensignatur ist typisch für Tumoren, die unter der Einwirkung von sogenannter Aristolochiasäure entstanden sind. Diese Signatur entdeckten sie bei 60 Prozent der Fälle.

Wie die Forscher außerdem im Fachblatt PNAS schreiben, nahm zwischen 1997 und 2003 ein Drittel der taiwanischen Bevölkerung Aristolochia-Präparate ein. Sie basieren auf der sogenannten Gewöhnlichen Osterluzei (Aristolochia clematitis) und verwandten Pflanzen, die lange als Heilmittel galten. Hierzulande sind Produkte, die Aristolochia-Säure enthalten, schon länger verboten. Auch in China und Taiwan wurden sie 2003 auf die Liste der verbotenen Arzneien gesetzt.

Giftige Präparate und aussterbende Tiere

Ist der Fall der Aristolochia-Präparate mittlerweile auch in China Vergangenheit, so geben andere TCM-Präparate, die weiterhin im Handel sind und nun von australischen Forschern untersucht wurden, berechtigten Anlass zur Sorge. Die Wissenschafter fanden in den vom Zoll beschlagnahmten Präparaten Extrakte von insgesamt 68 verschiedenen Pflanzenfamilien, und einige davon sind alles andere als harmlos.

So etwa enthielten einige der Mixturen Stoffe der Gattung Ephedra (Meertäubel) und Asarum (Haselwurz), die bei falscher Dosierung giftig sind. Bei den Packungsangaben fehlte freilich sowohl der Hinweis auf diese Inhaltsstoffe wie auch ihre potenzielle Gefährlichkeit.

Die australischen Forscher weisen in ihrem Artikel im Fachplan PLoS Genetics aber noch auf ein zweites Problem hin: Einige der TCM-Proben enthielten Spuren von Tieren, die gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht sind, wie der Kragenbär oder die asiatische Huftierart Saiga. (tasch, DER STANDARD, 13.4.2012)