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Von der Eingangstür des Hauses von Ministerpräsident Carlos Domingos Gomes Junior blieb nicht viel über.

Foto: APA/EPA/Peixero

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Graphik: APA

Dakar/Bissau - In Guinea-Bissau haben Soldaten nach Angaben örtlicher Medien am Donnerstagabend Granaten auf das Haus von Ministerpräsident Carlos Domingos Gomes Junior abgefeuert. Auf den Straßen der Hauptstadt Bissau habe es zudem heftige Schießereien gegeben. Am Freitag war die Lage in Bissau zunächst zwar ruhig, die Machtsituation aber unklar.

Sprecher der Regierungspartei PAIGC versicherten dem portugiesischen Radiosender TSF zwar, Gomes Junior sei wohlauf und "an einem sicheren Ort". Doch die Ehefrau des Ministerpräsidenten, Salome Gomes, sagte Reportern am Freitag, ihr Mann sei von aufständischen Militärs festgenommen und auf der Ladefläche eines Pick-ups an einen unbekannten Ort verschleppt worden. Auch der Interimspräsident Raimundo Pereira wurde von Soldaten festgenommen, wie einheimische Journalisten berichteten.

Zwei Wochen vor Stichwahl

Die Unruhen in Bissau ereignen sich gut zwei Wochen vor der für 29. April angesetzten Präsidentenstichwahl. Ministerpräsident Gomes Junior hatte im März die erste Runde klar gewonnen und galt als Favorit auf die Nachfolge des im Jänner an Diabetes gestorbenen Staatschefs Malam Bacai Sanha.

Gomes Juniors Rivale Kumba Yala hatte jedoch angekündigt, die Stichwahl wegen Unregelmäßigkeiten boykottieren zu wollen. "Es wird keinen Wahlkampf geben, das garantiere ich", hatte er erst am Donnerstag kurz vor dem Militärcoup erklärt. Yala soll enge Beziehungen zum Militär unterhalten und wurde schon in vergangenen Jahren für Putschversuche verantwortlich gemacht.

"Wissen nicht, was sich zurzeit abspielt"

Die Regierung der früheren Kolonialmacht Portugal rief "vehement zur Beendigung aller Gewaltakte und zur Achtung des Gesetzes" in Guinea-Bissau auf. Angolas Außenminister Georges Chicoti räumte am Freitag ein: "Die Lage in Bissau ist nicht gerade die beste, wir wissen nicht, was sich da zurzeit abspielt." Der Ministerrat der Gemeinschaft Portugiesischsprachiger Länder (CPLP) berief für Samstag ein Krisentreffen in Lissabon ein.

Die USA forderten am Freitag die Wiederherstellung einer "legitimen zivilen Regierung" und forderten alle Parteien auf, ihre Waffen niederzulegen. "Es ist bedauerlich, dass Teile der Armee Guinea-Bissaus sich entschieden haben, den demokratischen Prozess zu stören", hieß es von der US-Botschaft im Senegal. Auch die Afrikanische Union (AU) zeigte sich besorgt. In einer Aussendung sprach das AU-Sekretariat in Addis Abeba von "eklatanten Akten der Disziplinlosigkeit" der Armee in Guinea-Bissau und forderte eine Einhaltung der verfassungsmäßigen Ordnung.

Bei den Unruhen in Bissau hatten Soldaten laut Medien die wichtigsten TV- und Radiosender des Landes geschlossen, die Zentrale der Regierungspartei besetzt und mehrere Botschaftsgebäude umstellt. Auf den Straßen sei Panik ausgebrochen, hieß es. Nach Informationen des Senders RDP wurde mindestens ein Mensch getötet. Die Schüsse und Explosionen hörten nach mehreren Stunden auf.

Immer wieder Staatsstreiche des Militärs

In Guinea-Bissau ist es seit der Unabhängigkeit von Portugal 1974 immer wieder zu Aufständen und Staatsstreichen durch das Militär gekommen. Seither hat kein Präsident eine volle Amtszeit von fünf Jahren überstanden. Das Land am Atlantik, das zwischen dem Senegal und Guinea liegt, ist bitterarm. Es belegt auf dem Entwicklungsindex der Vereinten Nationen einen der letzten Plätze.

Guinea-Bissau ist bereits der zweite Staat in Westafrika binnen weniger Wochen, in dem Militärs putschen. Am 22. März hatten meuternde Soldaten in Mali Präsident Amadou Toumani Toure gestürzt. Auf Druck der Nachbarländer und der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) machten sie inzwischen jedoch den Weg für eine zivile Übergangsregierung frei. (APA, 13.4.2012)