Linz - Die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) kritisiert, dass Kindergartenpädagoginnen in oberösterreichischen Caritas- und Pfarrcaritaskindergärten unter dem gesetzlichen Mindestlohn bezahlt werden. Die Besoldung der rund 2.500 Mitarbeiter sei an das Tarifsystem des öffentlichen Dienstes gekoppelt und nicht an jenes der privaten Kindergärten, für die ein anderes gilt, rechtfertigte sich die Caritas.

In den ersten zwölf Berufsjahren liege das Einkommen der Betroffenen um bis zu 50 Euro brutto unter dem verordneten Tarif, so die Gewerkschaft in einer Presseaussendung am Freitag. Dabei sei das Mindestnettoeinkommen von 1.350 bis 1.462 Euro für eine 40-Stunden-Woche ohnehin bescheiden. Edith Bürgler-Scheubmayr, Geschäftsführerin der Caritas für Kinder und Jugendliche, argumentierte ebenfalls via Aussendung, dass das Bezahlungsschema, das sowohl für Kindergartenpädagoginnen in Gemeinde- als auch in kirchlichen Einrichtungen gilt, anders verlaufe: "Ab dem 13. Berufsjahr steigen die Gehälter im Vergleich mit dem Mindestlohntarif viel höher an." Die Zulagen für Leitungsfunktionen seien zudem deutlich größer.

Gewerkschaft: Caritas "schwarzes Schaf"

GPA-djp-Regionalgeschäftsführer Andreas Stangl findet es "beschämend", dass gerade katholische Einrichtungen mit hohen moralischen Ansprüchen eine Unterbezahlung zulassen würden. Die Gewerkschaft habe Bischof Ludwig Schwarz schon vor Wochen aufgefordert, dieser Ungerechtigkeit ein Ende zu setzen. "Leider bisher ohne Resultat". Schwarz verwies darauf, dass die Zuständigkeit für die Kinderbetreuung bei der Caritas liege und dort in guten Händen sei. Das habe er auch der Gewerkschaft in einem Schreiben am 30. März so mitgeteilt.

Bürgler-Scheubmayr wies den Vorwurf, die Kirche wisse die Arbeit der Kindergartenpädagoginnen nicht zu schätzen, vehement zurück. Sie räumte aber ein, dass "die Gehälter in den Kindertageseinrichtungen allgemein und die Einstiegsgehälter im besonderen gering sind". Das sei von der Caritas auch im Arbeitskreis des Landes Oberösterreich für das neue Dienstrecht immer wieder betont worden. "Ebenso unterstützen wir natürlich auch die Forderung nach einer angemessenen Valorisierung."

Für die GPA-djp ist die Caritas dennoch ein "schwarzes Schaf". Andere Kindergartenbetreiber wie die Diakonie oder die Kinderfreunde würden sich an den Mindestlohntarif halten, so Stangl. Die Gewerkschaft will daher die betroffenen Pädagoginnen am 23. April zu einer Betriebs- und Informationsversammlung einladen.(APA,13.4.2012)