Bild nicht mehr verfügbar.

Mit freiem Auge ist die Inschrift nicht zu erkennen - doch der Blick durchs Mikroskop enthüllt sie:

Foto: AP/Candy Welz/dapd

Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: AP/Candy Welz/dapd

Weimar - Die älteste bisher bekannte germanische Runeninschrift Mitteldeutschlands haben Archäologen bei einer Ausgrabung nahe Erfurt entdeckt. Die Inschrift aus dem 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung sei eine wissenschaftliche Sensation, sagte der Präsident des Landesamtes für Archäologie und Denkmalpflege, Sven Ostritz. Etwa ebenso alte Runen seien bisher außerhalb Skandinaviens nur aus der Märkischen Schweiz bei Berlin und aus der Westukraine bekannt. Nicht zuletzt ist die Inschrift aber auch sprachwissenschaftlich interessant, weil sie Aufschlüsse über Entwicklungen innerhalb der germanischen Sprachfamilie ermöglicht.

Bei dem Objekt handelt es sich um einen etwa 12,5 Zentimeter langen, grob dreieckig geformten Kamm aus Hirschgeweih. Auch das älteste bislang entdeckte Objekt, das zweifelsfrei eine Runeninschrift zeigt, ist ein Kamm: Gefunden wurde er auf der dänischen Insel Fünen und stammt aus dem 2. Jahrhundert. Während dieser "Kamm von Vimose" jedoch eine Aufschrift trägt, die "Heer" oder "Krieger bedeutet, steht auf dem nun entdeckten Stück - etwas redundant - "Ka(m)ba", also "Kamm".

Mehrjährige Grabungen

Geborgen wurde das Artefakt bei Ausgrabung einer germanischen Siedlung in Frienstedt. Inzwischen ist der in mehrere Teile zerbrochene Kamm, der mit Kreisen verziert ist, wieder zusammengesetzt.

In Frienstedt hatten die Archäologen von 2000 bis 2003 eine Siedlung mit vornehmen Gräbern und einen vermutlichen Kultplatz untersucht. Dabei wurden in etwa 1,80 Meter Tiefe auch die Teile des Kamms entdeckt. Aber erst bei seiner Restaurierung und im hellen Licht unter dem Mikroskop habe er Anfang 2012 die Runen offenbart, sagte Projektleiter Christoph G. Schmidt. (APA/red, derStandard.at, 13.4.2012)