Also, noch sind die Alten nicht besiegt. Noch ist es nicht nötig, auf 3sat ein Miltleid-Format (Arbeitstitel: Total Recall oder So gut waren wir) für den ab Mai gefeuerten Harald Schmidt, für Superstar-Diktator Dieter Bohlen und Thomas Gottschalk zu erfinden, in dem sich das Trio über alte TV-Showzeiten ausweint. Schmidt wird seine Karriere doch nicht mit so einer Schmach beenden wollen; Bohlen hat sicher noch nicht das ganze Repertoire an Beleidigungen aufgebraucht, mit dem er Vierteltalenten den Singhals zuschnürt.

Und auch Gottschalk, der bei uns bewusst unter Dauerbeobachtung steht, sollte man noch nicht ganz abschreiben. Sollte er nämlich scheitern, ist die Zeitenwende am Showhimmel womöglich nicht mehr aufzuhalten. Dann gibt womöglich auch Schmidt endgültig auf und wird Bohlen aus Resignation ein netter Kerl. Bei Gottschalks Kampf in der TV-Todeszone (19.20., ARD) geht jedenfalls etwas weiter, es gibt Hoffnung: Es ist weitaus gemütlicher geworden, nachdem man jenes großväterliche Wohnzimmerambiente gegen ein schmuckes Talkstudio getauscht hat. Es gibt Publikum, und er ist lockerer. Relaxt lungert Gottschalk hinterm Tisch und plaudert - etwa mit Kai Pflaume (am Donnerstag). 

Zudem wird auch nicht mehr live gesendet, vielmehr aufgezeichnet, um vom ewig Blonden Stress abzuwenden. Gut so. Jetzt muss nur noch sein Drei-Tages-Bart ab. Jetzt muss noch schnell die Selbstzerstörung der Dramaturgie durch die Entsorgung des eindringenden Wetterberichts beendet werden, der die Sendung zum Ende hin vernichtet. Denn die Zeit drängt: Am 20. April will die ARD-Intendanz über Gottschals Schicksal entscheiden. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 14./15.4.2012)