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Valter Lavitola am Flughafen in Rom

Foto: APA/EPA

Rom - Der italienische Journalist Valter Lavitola, der in einen ausgedehnten Skandal um die Bestechung des ehemaligen Premiers Silvio Berlusconi involviert ist, ist am Montag verhaftet worden. Lavitola, Chefredakteur der Tageszeitung "L'Avanti", wurde auf dem römischen Flughafen Fiumicino festgenommen, nachdem er sich nach einer mehrmonatigen Flucht im Ausland zur Rückkehr nach Italien entschlossen hatte, wie italienische Medien berichteten. Der 45-jährige Lavitola landete in Rom an Bord einer Maschine aus Buenos Aires.

Lavitola gilt als Drahtzieher in einem Skandal um die Erpressung Berlusconis, der im vergangenen Jahr international für Aufregung gesorgt hatte. Lavitola wird verdächtigt, mit dem süditalienischen Unternehmer Giampaolo Tarantini Berlusconi erpresst zu haben, der damals noch als Premier amtierte. Tarantini soll laut den Ermittlern von Berlusconi eine halbe Million Euro für Falschaussagen über Callgirls, die in seiner römischen Residenz verkehrten, kassiert haben. Tarantini hatte im Jahr 2008 das Escortgirl Patrizia D'Addario und mehrere andere junge Frauen in Berlusconis Residenz Palazzo Grazioli und in seine Villa auf Sardinien eingeladen. Berlusconi hatte stets behauptet, er habe D'Addario als Freundin Tarantinis kennengelernt. Er habe nicht gewusst, dass es sich um eine Prostituierte handelte. Laut den Ermittlern bezahlte Berlusconi den Unternehmer, damit er diese Version bestätige.

Ein Teil der Summe, die Tarantini angeblich erhielt, soll in die Taschen Lavitolas geflossen sein. Dieser habe dem 34-jährigen Unternehmer Methoden zur Bestechung Berlusconis angeraten. "Wir müssen Berlusconi unter Druck setzen", sagte Lavitola in einem von den Ermittlern abgehörten Telefongespräch. Die Staatsanwaltschaft Neapels erließ im September einen Haftbefehl gegen Lavitola, der sich jedoch im Ausland befand und monatelang der Festnahme entzog. Über einen Rechtsanwalt versicherte der Angeklagte, dass er unschuldig sei.

Berlusconi dementierte, dass er Tarantini infolge einer Erpressung bezahlt habe. "Ich habe lediglich Tarantini und seiner Familie geholfen, die sich in großen finanziellen Schwierigkeiten befanden. Ich habe nichts Illegales getan", betonte der Milliardär.

Tarantini hatte 2009 als "Frauen-Vermittler" für die Partys Berlusconis für Schlagzeilen gesorgt. Der hagere Unternehmer aus Bari soll dem TV-Tycoon über 30 junge Frauen für Partys in seinen Villen in Rom und Sardinien vermittelt haben. Wegen Drogenhandels war Tarantini im Juni 2011 zu zwei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt worden. (APA, 16.04.2012)