Wien - Das Hilfswerk fordert eine Verbesserung des Kinderbetreuungsangebots. Eine aktuelle Umfrage habe ergeben, dass man etwa mehr Angebote in den Ferien und flexiblere Öffnungszeiten brauche, erklärte Hilfswerk-Präsident Othmar Karas am Montag bei einer Pressekonferenz. Forciert werden solle etwa das Modell der Betreuung durch Tagesmütter und Tagesväter beim Ausbau der Kinderbetreuung für Unter-Dreijährige, meint das Hilfswerk.

Im Auftrag des Hilfswerks hat GfK Austria zwischen 10. und 12. April per Telefon 500 Personen der österreichischen Bevölkerung ab 15 Jahren befragt. Der geäußerte Bedarf am Ausbau von Kinderbetreuungsangeboten sei insgesamt sehr hoch, betonte Karas. Als wichtig gesehen werden erschwingliche Betreuungsangebote in den Ferien (82 Prozent) sowie insgesamt flexiblere Öffnungszeiten bzw. Betreuungszeiten (78 Prozent).

Auch die Nähe zum Wohnort (84 Prozent) bzw. zum Arbeitsplatz (82 Prozent) ist demnach von hoher Bedeutung. Die Mehrheit wünscht sich mehr Unterstützung bei der Kinderbetreuung seitens der ArbeitgeberInnen (72 Prozent). In der Steiermark und Kärnten werde signifikant mehr Bedarf an Kinderbetreuungsangeboten artikuliert.

Einheitliche Standards gefordert

Das Hilfswerk fordert angesichts der Ergebnisse u.a. eine Verbesserung der Angebotsvielfalt und die Schaffung von Rahmenbedingungen für "innovative und flexible Modelle". Die Umsetzung der politischen Ziele hinsichtlich Öffnungszeiten und Ferien sei "noch nicht ausreichend", meinte Karas. Dies sei aber "nicht nur Aufgabe der öffentlichen Hand", die Partnerschaft zwischen öffentlicher Hand und privaten Trägern müsse verstärkt werden. Flexibilität würde auch durch das Modell Tageseltern gewährleistet, dessen Forcierung sich das Hilfswerk wünscht. In der Ausbildung der Tageseltern brauche es österreichweit einheitliche Standards.

Bei der heurigen Jahresinitiative des Hilfswerks steht generell das Thema Erziehung im Mittelpunkt. 70 Prozent stimmten in der Umfrage der Aussage zu, dass Kindererziehung heute schwieriger sei als früher. Personen mit Kindern unter 15 Jahren im Haushalt stimmten demnach bezüglich Schwierigkeit der Kindererziehung signifikant stärker zu, ebenso Personen mit Migrationshintergrund. Je geringer das Einkommen, umso höher ist die Zustimmung.

Stärkung der Schulsozialarbeit

Das Hilfswerk registriere vermehrt Anfragen verunsicherter Eltern, sagte Martina Genser-Medlitsch, Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin. Wichtig wären ein Ausbau der Elternbildung, eine Erweiterung der Angebote in der Familienberatung und eine Stärkung der Schulsozialarbeit. Weiters müsse die präventive Jugendarbeit aufgewertet werden.

Der Schwerpunkt wird auch Thema bei der jährlichen "Family Tour" mit 49 Stationen in ganz Österreich, die heuer am 25. April in Linz startet. Dort kann man sich etwa auch den kostenlosen "Erziehungskompass" des Hilfswerks holen. (APA, 16.4.2012)