Graz - Erkenntnisse in Abläufe und Krankheitsmechanismen im menschlichen Gehirn erhoffen sich internationale Wissenschafter durch die Bestimmung der genetischen Grundlagen, die für das Wachstum, die Größe und die Schrumpfung dieses Organs zuständig sind. In einer genomweiten Assoziationsstudie, an denen auch Forscher der Grazer Med-Uni beteiligt war, wurden nun Genorte lokalisiert, die mit dem der Größe des Hippocampus - dessen Struktur u.a. für die Veränderungen der Alzheimer Krankheit besonders anfällig ist - in Zusammenhang stehen.

In genomweiten Assoziationsstudien (GWAS) wird das gesamte gesamte Genom von tausenden gesunden und erkrankten Patienten verglichen und hinsichtlich ihrer Erbgutvarianten (Single Nucleotide Polymorphisms, SNP) untersucht. Damit möchte man genetische Risiko- und Einflussfaktoren für Erkrankungen erheben. Haben erkrankte Personen im Vergleich zu gesunden Menschen in der Kontrollgruppe bestimmte SNP auffallend häufig, ist dies ein deutlicher Hinweis darauf, dass diese in Zusammenhang mit der Krankheit stehen. Um eine derart große Anzahl von Datensätzen zu bekommen, werden internationale Konsortien gebildet, in die Forscher der jeweiligen Länder ihre Daten eingeben.

Erstes Ziel von Alzheimer

Mit der Frage, von welchen genetischen Einflüssen die Größe des Hippocampus mitbestimmt werden könnte, ging die jüngste Auswertung des internationalen "Charge"-Konsortiums mit Grazer Beteiligung aus. Der Hippocampus ist der entwicklungsgeschichtlich älteste Teil des menschlichen Gehirns, der für die Überführung von Informationen aus dem Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis verantwortlich ist. "Er ist zugleich jener Teil des Gehirns, der als erstes von Alzheimer betroffen ist", schilderte Reinhold Schmidt von der Grazer Uniklinik für Neurologie.

Im Laufe der Erkrankung nimmt ein Volumen im Vergleich zum normalen Alterungsprozess deutlich beschleunigt ab. Im Zuge der Assoziationsstudie durchgeführten Analyse von Daten von rund 9.200 Menschen - etwa 1.000 davon aus Graz, wie Schmidt schilderte - wurden vier Genorte am Chromosom 12 lokalisiert, die mit dem Hippocampusvolumen assoziiert werden. Zwei der gefundenen Genorte seien bereits in zwei weiteren Studien mit rund 2.000 Teilnehmern ein weiteres Mal bestätigt worden.

"In den Genregionen liegen Gene, die eine Rolle beim programmierten Zelltod, dem oxidativen Stress und der embryonalen Entwicklung spielen", so Schmidt. Welche Gene konkret infrage kommen, soll durch weitere Sequenzanalysen geklärt werden. Langfristig sollen die Forschungen neue Perspektiven für die Prävention und Therapie von altersassoziierten Demenzerkrankungen eröffnen.  (APA, 21.4.2012)