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Michelle Williams als Marilyn.

Foto: APA/epa/Cendrowicz

Wo Kultur draufsteht, ist oft Populärkultur und immer öfter auch Pseudowissenschaft drinnen. Der jüngste "Kulturmontag" im ORF bewies das mit Mythen aller Art. Der "Mythos Marilyn" machte den Anfang unter den Untoten des Abends. Ja, man hat wieder einen Film über die privat glücklose Diva gemacht, und ja, Aktrice Michelle Williams soll darin gut sein. Aber muss man deshalb einen Beitrag senden, der auch die üblichen alten Plattitüden über die arme Frau wiederholt?

Apropos nichts Neues: Edgar Rice Burroughs' Romanfigur Tarzan war gar kein netter Mann, sondern ein blutrünstiger Brutalo. Und weil Bram Stoker 100. Todestag "feiert", erzählt ein "Vampirologe" im Interview, dass Stokers Romanheld "Dracula" ursprünglich Steirer hätte werden sollen. Ein lang bekanntes Faktum wird da als neue "wissenschaftliche" Erkenntnis verkauft. Eine Doku wollte einem danach verklickern, dass Forscher eine griechische Insel gefunden hätten, "die bestätigt, dass Vampire Wirklichkeit waren". Damit hält man maximal schulpflichtige Fans der Twilight-Romane spätnachts vor dem Schirm.

Bei so viel Populärwissenschaft muss Schriftsteller und Philosoph Franz Schuh als Gast den Retter des Niveaus spielen und alles kommentieren. Als Moderatorin Nadja Bernhard ihn Universalgelehrten nennt, wird das Schuh zu viel: "Trivialgelehrter", bessert er aus.

Es folgte ein Bericht zur Schau über die Arena-Besetzer, der etwas interessanter war und daher kürzer und später lief. Die Arenauten wurden dabei als "gewaltbereite Chaoten, gefährliche Kommunisten und Anarchisten" eingeführt, um später auch als Wiedergänger entlarvt zu werden: Wiedergänger im Establishment. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 18.4.2012)