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Die Argentinier freuen sich über die angekündigte Verstaatlichung: YPF gehöre wieder dem Volk.

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Madrid/Buenos Aires- Spanien kennt keine Rechte und keine Linke mehr, sondern nur noch Patrioten. Seit der Ankündigung der Verstaatlichung von 51 Prozent des Erdölkonzerns YPF, Tochter der spanischen Repsol, durch die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner übt sich die traditionell zerstrittene spanische Politik im nationalen Schulterschluss, etwas, was nicht einmal die Wirtschafts- und Finanzkrise bewirkt haben.

Repsol gehören 57 Prozent an YPF. Den Unternehmenswert der argentinischen Tochter gab Repsol mit 18,3 Milliarden Dollar (14,1 Mrd. Euro) an. YPF trägt früheren Angaben zufolge ein Viertel zum Repsol-Betriebsgewinn bei. Repsol kündigte bereits eine Entschädigungsforderung an. Die Repsol-Aktien fielen am Dienstagvormittag um bis zu neun Prozent auf ein 22-Monats-Tief.

Repsol ist eines der großen Unternehmen Spaniens. Der erste wichtige Schritt zum internationalen Konzern war ausgerechnet der Kauf der YPF. Die spanische Presse erinnert jetzt an die Auf und Abs der Beziehung zu Argentinien, die vor allem von einem Namen geprägt sind - Kirchner.

"Argentinisierung von Repsol"

Als YPF 1993 vom damaligen argentinischen Präsidenten Carlos Menem privatisiert wurde, unterstützte ihn Fernández de Kirchners verstorbener Ehemann Nestor Kirchner. 1999 verkaufte dieser in seiner Funktion als Gouverneur im südargentinischen Santa Cruz die fünf Prozent, die seine Provinz an der YPF hielt, an Repsol und ermutigte die Spanier, das gesamte Unternehmen zu erstehen. 2007 proklamierte dann Kirchner - mittlerweile argentinischer Präsident - die "Argentinisierung von Repsol" und drängte die Spanier, die Unternehmerfamilie Ezkenazi mit 25 Prozent an YPF zu beteiligen. Bezahlt wurde der Deal mit den Gewinnen der kommenden Jahren. Fernández de Kirchner verstaatlicht das Unternehmen jetzt erneut. Fernández de Kirchners Argumente sind einfach.

YPF/Repsol investierte im Vorjahr die Gewinne nicht, sondern schüttete sie aus. Die Ezkenazis - die von der Verstaatlichung nicht betroffen sind - zahlten damit endgültig ihre Schulden bei Repsol ab, und die Spanier stopften Löcher, die die Wirtschaftskrise zu Hause in die Kasse gerissen hatten. Gleichzeitig ist Argentinien trotz Erdölreichtums von Importen abhängig. Zehn Milliarden Dollar gab das Land im Vorjahr für Erdöleinfuhren aus. " Wir sind das einzige Land in Südamerika, ja fast weltweit, das seine natürlichen Ressourcen nicht selbst kontrolliert", erklärte Fernández de Kirchner. Die spanischen Führungskräfte wurden noch während der Rede aus dem Verwaltungsgebäude der YPF in Buenos Aires verbannt.

Weltbank als Vermittler

Dies wird nicht ungestraft bleiben", schimpft Repsol-Chef Brufau. Die verstaatlichten Anteile würden acht Milliarden Euro kosten. YPF steuerte bisher ein Viertel der Gewinne zur Repsol-Bilanz bei. Brufau will die Weltbank als Vermittler einschalten.

"Maßnahmen kündigt man nicht an, man ergreift sie", droht die spanische Regierungssprecherin. Das schlimmste aller Szenarien wäre "der völlige Abbruch der Beziehungen", erklärt Außenminister José Manuel García-Margallo, nachdem er den argentinischen Botschafter bestellt hatte. (Reiner Wandler aus Madrid, DER STANDARD, 18.4.2012)