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Beide grimmen schweigend vor sich hin. Der Abend fängt wieder einmal gut an.

Foto: APA/Miguel Villagran

Der Dichterfürst sagt: "Schau nicht so grantig, man bekommt es ja mit der Angst zu tun." Bubi faucht: "Das ist mein Gesicht. Lass mich in Ruhe." Der Dichterfürst sagt: "Mit dem Blick brauchst du aber nicht darauf hoffen, dass du heute Abend anregende Gespräche führen wirst." Bubi zischt: "Danke, ich habe schon eine Mutter. Wenn ich einen guten Ratschlag brauche, frage ich sie."

Der Dichterfürst sagt: "Wie man in den Wald schreit, also schreit es daraus." Bubi brüllt: "Ich schreie nicht! Wenn ich wirklich schreien würde, würdest du es merken! Und gib nicht so mit deinem abgebrochenen Studium an." Der Dichterfürst sagt: "Ach, vergiss es. War bei dir nicht anders zu erwarten: viele Bäume zum Dagegenrennen. Aber den Wald, den sieht er natürlich nicht."

Beide grimmen schweigend vor sich hin. Der Abend fängt wieder einmal gut an. Dabei wollte man den von den Frauen verordneten gemeinsamen Urlaub besprechen. Sieben Stunden mit dem Auto, um dann zwei Wochen lang in einem Haus in der Pampa eingesperrt mit einem Soziopathen zu sitzen. Warum nur tut man sich das jedes Jahr wieder an?

Weil beide offenbar gleichzeitig denselben Gedanken haben, schauen sie sich kurz lauernd an. Bubi sagt: "Ich hoffe, du nimmst wenigstens deinen Laptop mit. Dann muss ich 14 Tage lang nicht diesen säuerlichen Muttiblick sehen, sondern nur den aufgeklappten Deppendeckel, hinter dem du dich versteckst." Der Dichterfürst höhnt: "Ich habe wenigstens Freunde, denen ich E-Mails schicken kann." Schweigen. Jetzt sind beide grantig. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 20.4.2012)