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Bereits jetzt vertreiben laut EU-Kommission 15 Prozent der Betriebe mehr als die Hälfte ihrer Produkte an Ort und Stelle

Foto: APA/hochmuth

Brüssel - Die EU-Kommission sieht ein "erhebliches Potenzial für eine ortsnahe Versorgung mit Lebensmittel". EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos erklärte am Freitag in Brüssel, bereits jetzt würden 15 Prozent der Betriebe mehr als die Hälfte ihrer Produkte an Ort und Stelle vertreiben. Kurze Vertriebswege würden die Landwirtschaft wirtschaftlich wettbewerbsfähig und sozial sowie ökologisch nachhaltiger machen.

Dabei gebe es auch zahlreiche Herausforderungen. So müsste es eine einwandfreie Hygiene bei der Lebensmittelsicherheit geben, ohne Hindernisse für die Schaffung kleiner Betriebe aufzubauen. Kleine Unternehmen hätten nicht dieselbe Investitionskraft wie die großen Unternehmen. Ferner gehe es um die Verbindung zwischen den großen städtischen Konsumzentren und den Erzeugungsgebieten im Umland, die es wieder herzustellen gelte. "Wir müssen der Agrarpolitik die Möglichkeit geben, wieder in die Städte hineinzugehen und dort Initiativen für Bauernmärkte unterstützen". Die sei eine der Maßnahmen der Reform zur ländlichen Entwicklung für die Zeit nach 2013.

Neues Konzept notwendig

Nach jüngsten Studien gebe es jedenfalls einen großen Bedarf der Konsumenten für lokale Produkte. Jeder zweite Verbraucher bedaure, dass solche Produkte schwer zu finden seien. Es sei notwendig, ein neues Konzept für kurze Vertriebswege zu schaffen und effiziente Lösungen zu finden. Dies entspreche einer "modernen Auffassung unseres Verhältnisses zur Ernährung".

Eine Untersuchung in Italien habe ergeben, dass mehr als die Hälfte der dortigen Bevölkerung kurze Vertriebswege nützten. In Großbritannien sei 1997 der erste Bauernmarkt gegründet werden, "heute finden jedes Jahr mehr als 7.500 statt". Bei den kurzen Vertriebswegen sei Griechenland heute Rekordhalter.

Nicht alles auf Supermärkte setzen

Ciolos betonte, es gehe nicht darum, neue Hürden aufzubauen und Große gegen Kleine oder kürzere gegen längere Vertriebswege auszuspielen. "Tatsache ist, dass die kurzen Vertriebswege ein Bestandteil der landwirtschaftlichen Vielfalt sind, dem bisher nicht genügend Beachtung geschenkt wurde. Sie sind ein wichtiges Element unserer umfassenden Strategie, um den Landwirten bei der Verbesserung der Wertschöpfung zu helfen und ihnen Anreize zu bieten, nicht alles auf eine Karte - also auf einige große Supermarktketten - zu setzen", so der Kommissar.

Es sei aber nicht einfach, dieses Potenzial weiter zu entwickeln. Diese Absatzform sei auch eine Herausforderung für die Landwirte. "Sie müssen eine weitere Tätigkeit erlernen oder wieder erlernen - den Handel", sagte Ciolos. Dafür seien auch klare Signale notwendig und die Abkehr von eingefahrenen Denkmustern. (APA, 20.4.2012)