Juba  - Angesichts eines drohenden Kriegs mit dem Sudan hat der südsudanesische Präsident Salva Kiir unter internationalem Druck den Rückzug der Armee aus dem umstrittenen Ölfeld Heglig angeordnet. Die Truppen hätten den Befehl zum Rückzug erhalten, sagte Informationsminister Barnaba Marial Benjamin am Freitag in Juba. Der Abzug solle in drei Tagen abgeschlossen sein. Der Sprecher betonte jedoch, die Regierung gebe nicht ihren Anspruch auf, dass Heglig ein "integraler Bestandteil" des Südsudan sei.

Das Ölfeld liegt an der nicht vollständig festgelegten Grenze zwischen dem Sudan und dem Südsudan. Mehrere Teile des Ölfelds werden von beiden Staaten beansprucht. Aus Heglig kommt Hälfte der Ölproduktion des Sudan. Mit der Unabhängigkeit des Südens verlor das Land im vergangenen Juli drei Viertel seiner Ölreserven. Die südsudanesische Armee, die Heglig in der Vorwoche besetzte, erklärte am Donnerstagabend, eine Offensive des Sudan zurückgeschlagen zu haben. Am Freitag dauerten die Kämpfe in der Region weiter an.

Die Rebellen der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung Nord (SPLM-N) erklärten, am Dienstag und Mittwoch bei Überfällen auf Militärkonvois insgesamt 79 sudanesische Soldaten und Milizionäre getötet zu haben. Bei dem ersten Hinterhalt im Teilstaat Blauer Nil seien 67 Sicherheitskräfte getötet worden, bei dem zweiten zwölf, sagte einer Rebellensprecher. Aufseiten des nördlichen Ablegers der SPLM, die im Süden nach Bürgerkrieg und Unabhängigwerdung regiert, seien drei Kämpfer getötet und sieben weitere verletzt worden. Eine unabhängige Bestätigung der Angaben gab es nicht. (APA, 20.4.2012)