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Aus dem Archiv: Mädchen am Girls' Day 2006.

Foto: APA/Robert Dengscherz

Wien - Am Donnerstag - dem diesjährigen Girls' Day - haben junge Frauen wieder in ganz Österreich die Gelegenheit, sich über Jobs abseits der gängigen Berufswahl zu informieren. Nach wie vor landen laut Unterlagen der Statistik Austria viele Mädchen in den zwar traditionellen aber auch traditionell niedrig bezahlten Frauen-Berufen VerkäuferIn, FriseurIn und SekretärIn. Ziel ist es deshalb, die Schülerinnen auf ein viel weiteres Job-Spektrum aufmerksam zu machen. Am Girls' Day machen wieder zahlreiche Unternehmen, Ministerien und auch das Parlament mit.

72 Prozent der Lehrabschlüsse im Einzelhandel wurden im Schuljahr 2009/2010 von Frauen (5.363 gesamt, 3.839 Frauen) gemacht, bei den Bürokräften (81 Prozent; 3.789 gesamt, 3.066 Frauen) und den FriseurInnen (94 Prozent; 1.810 gesamt, 1.696 Frauen) waren es noch mehr. In der Kraftfahrzeugtechnik betrug der Frauenanteil hingegen winzige zwei Prozent (2.147 gesamt, 45 Frauen).

Mitunter recht große Unterschiede weisen aber auch die zu erwartenden Gehälter in diesen Branchen auf. Laut Angaben des Arbeitsmarktservice (AMS) beläuft sich das monatliche Einstiegsgehalt brutto nach dem Lehrabschluss für FriseurInnen auf 1.425 Euro, während AutomechanikerInnen oder NetzwerktechnikerInnen bereits zum Einstieg auf 1.890 Euro kommen. VerkäuferInnen bekommen rund 1.445 Euro, SekretärInnen (1.315 Euro) und KellnerInnen (1.320 Euro) noch weniger. Im Gegensatz hierzu verdienen KunststofftechnikerInnen zum Start schon 1.670 Euro und  VermessungstechnikerInnen 1.755 Euro.

Heinisch-Hosek im Burgtheater

Am Girls' Day sind deshalb Schülerinnen eingeladen, sich über interessante Jobs abseits der ihnen - und ihren Eltern - bekannten Berufswege zu informieren. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek stattet am Donnerstag unter anderem gemeinsam mit der Wiener Frauen-Stadträtin Sandra Frauenberger und den Mädchen dem Wiener Burgtheater einen Besuch ab. Hier können sich die jungen Frauen diverse Berufe rund ums Theater ansehen. Auch Betriebsbesuche in mehreren teilnehmenden Unternehmen stehen auf dem Programm der Ministerin.

Aktivität ist bei den Veranstaltungen des Infrastrukturministeriums gefragt. In Asfinag-Autobahnmeistereien werden etwa Workshops wie "Bau dir deine eigene Autobahn" abgehalten. Am Flughafen Wien "erobern Mädchen das Flugfeld" und in der Schiffbautechnischen Versuchsanstalt wird mit Schiffsmodellen experimentiert.

Diskutieren mit Barbara Prammer

In das Parlament lädt Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, hier lernen die Schülerinnen Sonderbauprojekte, neue Medien im Hohen Haus sowie das ORF-Stadtstudio kennen. Auf dem Programm steht auch eine Diskussion mit Prammer und Vertreterinnen aller Fraktionen zum Beruf der Nationalratsabgeordneten. Ganz etwas anderes erwartet die Besucherinnen beim Bundesheer: Alle Frauen der Geburtenjahrgänge 1992 bis 1994 sind in einem persönlichen Schreiben eingeladen worden, das Militär am 26. April zu besuchen und sich über das Berufsbild Soldatin zu informieren.

In Wien firmiert der Girls' Day seit Jahren unter dem Namen "Wiener Töchtertag", das Ziel ist dabei das selbe. Unter den teilnehmenden Betrieben sind neben dem Burgtheater auch Wien Kanal und IBM.

Kritik der Arbeiterkammer-Oberösterreich

Johann Kalliauer, Präsident der Arbeiterkammer-Oberösterreich (AK-OÖ) befürwortet zwar alle Initiativen, die Mädchen und Frauen unterstützen, allerdings blieben bei der Initiative Girls' Day grundlegende Probleme ungelöst. "Was mich stört, ist, dass nur wenige Betriebe die Bereitschaft zeigen, Frauen in technischen Berufen eine Chance zu geben", erklärt der AK-Präsident via Aussendung. Solange es die beinahe strikte Trennung des Arbeitsmarktes in Männer- und Frauenberufe gebe, wird es auch die bestehenden Unterschiede beim Einkommen geben. "Diese Ungerechtigkeit zu beseitigen, wäre noch viel wichtiger, als einmal im Jahr eine medienwirksame Initiative zu starten". (APA, red, 26.4.2012)