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Dem US-Einzelhändler Wal-Mart drohen Millionenstrafen. (Bild: Walmart-Filiale in Mexico City)

Foto: REUTERS/Bernardo Montoya

New York - Das Unheil brach am Wochenende über den weltgrößten Einzelhändler Wal-Mart herein. Auf Seite eins der "New York Times" prangte die etwas sperrige Schlagzeile: "Wal-Mart hat gewaltigen Bestechungsfall in Mexiko nach Querelen im Management totgeschwiegen". Was die Leser dann erfuhren, könnte den US-Konzern in seinen Grundfest erschüttern und zahlreiche Topleute den Job kosten. Ganz zu schweigen von Millionenstrafen, die drohen.

Die Geschichte, die Reporter David Barstow erzählt, geht so: Ein Justiziar von Wal Mart bekommt im September 2005 eine E-Mail von einem früheren Manager der mexikanischen Landesgesellschaft. Der Mann schildert, wie in nahezu allen Ecken des Landes Beamte bestochen wurden, um an Genehmigungen für den Bau neuer Läden heranzukommen. Der Mann nennt Namen, Termine und Summen. Die aufgeschreckte Wal-Mart-Zentrale entsendet Ermittler nach Mexiko City. Die Truppe unter Führung eines ehemaligen FBI-Agenten entdeckt binnen weniger Tage Hunderte fragwürdige Zahlungen; alles in allem geht es um mehr als 24 Mio. Dollar (18,3 Mio. Euro). Doch anstatt weiter zu bohren, so schreibt Reporter Barstow, habe die Chefetage die Ermittlungen abgewürgt.

Schadensbegrenzung

Wal-Mart mühte sich noch am Wochenende um Schadensbegrenzung. "Wir sind entschlossen, den Dingen auf den Grund zu gehen", versicherte der oberste Konzernsprecher David Tovar in einer langen Erklärung. Dort enthüllte er auch, dass sich das Unternehmen den Fall schon seit Monaten selbst anschaue. "Die Ermittlungen laufen und wir haben noch keine vollständige Erklärung für das, was passiert ist."

Es sind aber nicht die mexikanischen Strafverfolger, vor denen sich Wal-Mart letztlich fürchten muss. Es sind die US-amerikanischen. Denn seit 1977 können Unternehmen von der US-Justiz auch für Korruption im Ausland belangt werden - der sogenannte "Foreign Corrupt Practices Act" oder kurz FCPA macht's möglich. Das Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC sind bereits eingeschaltet.

In der Vergangenheit haben die Ordnungshüter beim Thema Korruption nicht mit sich spaßen lassen. Das mussten bereits Siemens und Daimler feststellen. Denn die US-Justiz fühlt sich auch für ausländische Firmen zuständig, die Tochtergesellschaften im Land haben oder deren Aktien an einer US-Börse gehandelt werden.

Fall Siemens

Besonders der Fall Siemens, bei dem es um 1,3 Mrd. Euro an fragwürdigen Zahlungen ging, schlug hohe Wellen: Die 2006 hochgekochte Affäre kostete den Aufsichtsratsvorsitzenden Heinrich von Pierer, Vorstandschef Klaus Kleinfeld und weitere Spitzenmanager den Job. Siemens zahlte alleine in den USA 800 Mio. Dollar, um die Sache aus der Welt zu schaffen. Der neue Siemens-Chef Peter Löscher baute den Konzern radikal um und schwor, nur noch saubere Geschäfte zu machen.

Bei Daimler lief die ganze Sache glimpflicher ab, wohl auch, weil die fraglichen Summen niedriger waren. Der Autobauer räumte 2010 ein, in mindestens 22 Ländern Regierungsbeamte bestochen zu haben, um an lukrative Aufträge zu kommen. Die US-Justiz sprach von 56 Mio. Dollar, die geflossen seien. Daimler büßte mit 185 Mio. Dollar.

Die Affären sind heute allerdings kein Thema mehr in den Vereinigten Staaten. Im Gegenteil: US-Präsident Barack Obama höchstpersönlich lobte Siemens vor wenigen Monaten für die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Kurze Zeit später besuchte der wohl mächtigste Mann der Welt ein Lastwagen-Werk von Daimler.

Aktie im Tiefflug

An diesem Punkt ist Wal-Mart noch lange nicht. Die Probleme haben gerade erst begonnen. Wie ernst die Lage ist, ließ sich am Montag am Kurs ablesen: Die Aktie ging gleich nach Börseneröffnung um 5 Prozent in den Keller. Rund 10 Mrd. Dollar an Börsenwert verpufften. Da halfen auch die Beschwichtigungen von Konzernsprecher Tovar nichts: "Wenn diese Vorwürfe stimmen, dann spiegelt dies nicht wider, wer wir sind oder für was wir stehen." (APA, 23.4.2012)