Wien - In der Oesterreichischen Nationalbank könnte bald die Friedenspfeife geraucht werden. Betriebsrat und Direktorium, die um Bankwohnungen und Freizeitbibliothek streiten, dürften sich doch einigen. Die OeNB wird ihre rund 200 Wohnungen in Wien den Mietern, also aktiven und ehemaligen Bediensteten, zum Kauf anbieten. Morgen, Mittwoch, soll das Direktorium den Deal absegnen.

Der Streit ist derzeit bei der Schlichtungsstelle des Arbeitsgerichts Wien anhängig, an die hatte sich das Direktorium gewandt. Die Mieter zahlen wohlfeile 2,67 Euro je Quadratmeter. Die OeNB-Chefs wollen die Wohnungen versilbern, die Banker sollen weiter darin wohnen dürfen. Im Gegenzug bot man der Belegschaft eine Verbesserung der Sozialleistungen an. Sie lehnte das ab, ebenso die Auflösung der Bibliothek. Die Stärke der Mitarbeiter hat einen Namen: Wohlfahrtsbetriebsvereinbarung. In der sind die und andere Goodies einzementiert.

Kompromiss

Einige Verhandlungen des Schiedsgerichts später liegt nun doch ein Kompromiss vor. Die OeNB bietet ihren Mietern alle Wohnungen zum Kauf an. Greifen mehr als 35 Prozent je Haus oder Wohnhausanlage zu, bleibt die OeNB-eigene Immobilientochter BLM Eignerin der Liegenschaft. Sind es weniger, wird das Haus verkauft. Die OeNB bleibt Hauptmieterin der Wohnungen, bis der letzte Banker ausgezogen ist.

Was die Belegschaft für die Änderung der Betriebsvereinbarung bekommt: Der Gehaltsvorschuss für Wohnraumbeschaffung wird von 35.000 auf 50.000 Euro erhöht, die Subvention zur Krankenversicherung steigt - und es wird eine dritte Kindergartengruppe eingerichtet.

Die Freizeitbibliothek - besonders beliebt sind ihre DVDs - wird übrigens nur verkleinert. (gra, DER STANDARD, 24.4.2012)