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Riccardo Illy mit der "Quadriga"-Trophäe im Jahr 2006.

AP Photo/Arnd Wiegmann

Der Chef des gleichnamigen Kaffee-Konzerns, Riccardo Illy, warnt vor einer Verschlimmerung der Rezession in Italien. Dennoch könnte Mario Monti auch nach den Wahlen 2013 Premier bleiben, meint er im Gespräch mit Thesy Kness-Bastaroli.

STANDARD: Italiens Premier Mario Monti ist es bisher nicht gelungen, die Krise zu bremsen. Warum?

Illy: Nachdem das Kabinett unter Silvio Berlusconi jahrelang nicht gehandelt hatte, musste Monti in kürzester Zeit viele Maßnahmen ergreifen. Dabei sind Fehler passiert. Technokraten wie er, also Professoren, haben meist keine Polit-Erfahrung. Zum Beispiel wurde nicht erklärt, wen die Sondersteuer auf Sportboote betrifft. Viele Ausländer, auch Österreicher, haben prompt ihre Boote aus den Adriahäfen abgezogen. Zwar hat die Regierung den Fehler korrigiert, aber es war zu spät.

STANDARD: Die Regierung steht auch wegen ihrer erhöhten Steuern unter Druck...

Illy: Zweifellos. Die Regierung Monti muss schleunigst die Ausgaben kürzen. Da gibt es viel Spielraum. Die Steuererhöhungen verschärfen hingegen die Rezession.

STANDARD: Halten Sie es für möglich, dass Monti auch nach den Wahlen 2013 an der Macht bleibt?

Illy: Ja. Ich halte es für denkbar, dass eine Koalition nach den Wahlen das Mandat des gegenwärtigen Regierungschefs erneuert. Das ist möglich.

STANDARD: Und Sie? Denken Sie an ein politisches Comeback?

Illy: Als Präsident eines Familienunternehmens habe ich beide Hände voll zu tun. Ich habe aber gelernt, dass man in der Politik nie endgültig "Nein" sagen soll.

STANDARD: Hat auch Ihr Unternehmen die Krise zu spüren bekommen?

Illy: Wie zahlreiche andere Familienbetriebe versuchen wir, infolge der Rezession am Inlandsmarkt primär im Ausland zu wachsen. Inzwischen sind wir nicht nur mit Kaffee, Schokolade und Tee, sondern neuerdings auch mit Qualitätsweinen am Markt präsent. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, 25.04.2012)