Tripolis - Der Chef der libyschen Übergangsregierung, Abdel Rahim al-Kib, hat dem Nationalen Übergangsrat eine Behinderung der Regierung vorgeworfen. Das seit Sturz des früheren Machthabers Muammar al-Gaddafi höchste politische Gremium Libyens gefährde mit seiner Blockadehaltung unter anderem die für den 19. Juni geplante Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung, sagte al-Kib am Mittwoch in der Hauptstadt Tripolis. Dies wolle seine Regierung "auf keinen Fall akzeptieren".

Der Nationale Übergangsrat, der im Zuge des Aufstands gegen Gaddafi von den Rebellen gegründet worden war, droht al-Kib seit Tagen damit, seiner Regierung das Vertrauen zu entziehen. Er wirft ihr vor, die Armee nicht unter Kontrolle zu haben und daher die Sicherheit des Landes nicht garantieren zu können. Al-Kib wies die Anschuldigungen am Mittwoch zurück. Nach den monatelangen Kämpfen, die zum Sturz und am 23. Oktober 2011 zum Tod Gaddafis führten, sei die Sicherheit im Land weitgehend wiederhergestellt, sagte er.

Allerdings fehle der Regierung die "institutionelle Basis", auf der sie das durch "vier Jahrzehnte der Korruption" ruinierte Land wieder aufbauen könne, sagte al-Kib, der seit November an der Spitze der Regierung steht. Sechs Monate nach dem offiziellen Ende des Konflikts kontrollieren die Milizen noch immer weite Teile des Landes, darunter auch den Flughafen von Tripolis. Eine funktionierende Armee oder Justiz gibt es weiterhin nicht und im Süden kommt es immer wieder zu blutige Kämpfe zwischen Stämmen. (APA, 25.4.2012)