Wien - Bei der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien werden 500 Mio. Euro an Geschäftsanteilen und PS-Kapital in hartes Kernkapital umgewandelt, kündigte Generaldirektor Erwin Hameseder heute, Donnerstag, bei der Bilanzpressekonferenz an. Die halbe Milliarde Euro werde ab Anfang 2013 damit voll als hartes Kernkapital gewertet.

Rund 100 Mio. davon entfallen auf Geschäftsanteile, der Rest auf Partizipationsscheine (PS). Damit geht eine entsprechende Satzungsänderung einher. Es gebe künftig keine garantierte Verzinsung und eine Gleichstellung im Falle einer Liquidation. Zusätzliches Kapital muss nicht gezeichnet werden.

Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2011 erhalten die Eigentümer eine um 1,2 Mio. Euro auf 39,2 Mio. Euro erhöhte Dividende. Das operative Ergebnis (Einzelabschluss) betrug knapp 68 Mio. Euro, nach 53,5 Mio. Euro 2010.

Schwierige Zeiten

Der Gewinn nach internationaler Rechnungslegung (IFRS) fiel im Vorjahr wegen Sondereffekten wie etwa der Entwicklung in Ungarn, Bankensteuer und einer Kartellstrafe bei der deutschen Tochter VK Mühlen aber deutlich geringer aus. Der Jahresüberschuss vor Steuern sank auf 150,1 (367,3) Mio. Euro, der Konzern-Jahresüberschuss auf 107,9 (284,1) Mio. Euro. Es sei gelungen, auch in schwierigen Zeiten ein solides Ergebnis zu erwirtschaften. Für heuer erwartet Hameseder wieder eine deutliche Ergebnissteigerung auf über 200 Mio. Euro, vorausgesetzt der konjunkturelle Windhauch halte an bzw. verstärke sich.

Der Umsatz der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien stieg auf 22,6 (20,3) Mrd. Euro. Rund 740 Unternehmen gehören zur Gruppe, wichtige Beteiligungen sind unter anderem Agrana, Strabag, NÖM, LLI und Medien. Beschäftigt sind in den Unternehmen rund 165.000 Mitarbeitern. Die Investitionen der Beteiligungsunternehmen beliefen sich im abgelaufenen Jahr auf 1,1 Mrd. Euro.

LLI mit Ergebniseinbruch

Beim Mühlenkonzern Leipnik Lundenburger Invest (LLI) war das Geschäftsjahr 2010/11 (per Ende September) unter anderem geprägt von den Volatilitäten auf den Rohstoffmärkten. Der Umsatz stieg wie berichtet um rund 30 Prozent auf 1,15 Mrd. Euro. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) ging aber um rund 40 Prozent auf 16,3 Mio. Euro zurück. Niedergeschlagen hat sich im Ergebnis eine Kartellstrafe von 23,8 Mio. Euro bei der deutschen VK Mühlen, an der die LLI nach einer Kapitalerhöhung mittlerweile 55 Prozent hält. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Hameseder bei LLI eine Ergebnissteigerung.

Gut lief es bei der Agrana: In den ersten drei Quartalen verdoppelte sich das Konzernperiodenergebnis auf 129,7 Mio. Euro, der Umsatz stieg um 20,2 Prozent auf 1,952 Mrd. Euro. Die Strabag legt ihre Kennzahlen morgen vor. Die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien hat ihre Bilanz bereits Ende der Vorwoche veröffentlicht.

Erstes Hochhaus Europas nach Passivhausstandards

Im Immobilien-Bereich betrugen die Gesamtinvestitionskosten im Vorjahr rund 798 Mio. Euro. Schwerpunkte waren dabei Bürohäuser, Einzelhandelsimmobilien sowie Projekte im Gesundheitsbereich vor allem in Niederösterreich und in Wien. Neben dem Raiffeisenhaus Wien am Wiener Donaukanal entsteht derzeit das erste Hochhaus Europas nach Passivhausstandards, berichtete Michaela Steinacker, in der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien für Immobilien und Erneuerbare Energien zuständig.

Die Projekte im Bereich der Erneuerbaren Energien werden in der 100-Prozent-Tochter Renergie abgewickelt. Ende 2011 wurden 95 Prozent des baufertigen Windprojekts HAGN im niederösterreichischen Weinviertel übernommen. Baubeginn für diesen größten Windpark Niederösterreichs ist Anfang Mai, erzeugt werden sollten knapp 88 Mio. Kilowattstunden (kWh) Strom. Insgesamt hat Renergie in Erneuerbare Energie rund 48 Mio. Euro an Eigenkapital investiert - bei Gesamtinvestitionskosten von rund 150 Mio. Euro.

Für Hameseder war es heute die letzte Bilanzpressekonferenz als Generaldirektor, er wird mit Beschluss am 4. Mai Nachfolger von Christian Konrad als Obmann der Raiffeisen Holding. Hameseders Nachfolger als operativer Holding-Vorstand sowie als Bankchef wird der bisherige Chef der Raiffeisen Ware Austria (RWA), Klaus Buchleitner. (APA, 26.4.2012)