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 Vor allem in der Sommersaison bricht in der Stadt Salzburg der Verkehr regelmäßig zusammen. Eine zumindest temporäre Sperre für Touristen-Pkws soll Abhilfe schaffen.

Foto: Apa

Salzburg - Busverspätungen bis zu 55 Minuten; Taxis, die in knapp einer Stunde nicht einmal 20 Meter weit kommen - die Beispiele aus dem Sommer 2010 zeigen, was in der Hochsaison auf den Straßen der Landeshauptstadt Salzburg los sein kann: Vor allem bei Schlechtwetter, wenn die motorisierten Individualtouristen zu Tausenden in die Stadt strömen, geht nichts mehr.

Wie vom STANDARD berichtet, plant Verkehrsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) für den kommenden Sommer, dem vorhersehbaren Zusammenbruch mit einer temporären Sperre zu begegnen. An Wochentagen von zehn bis 14 Uhr sollen auf der zentralen Achse Staatsbrücke-Neutor nur noch Berechtigte wie Anrainer, Arbeitnehmer, Taxis und Einsatzfahrzeuge fahren dürfen. Dauer der innerstädtischen Verkehrsberuhigung: fünf Wochen.

Seit der Präsentation der Pläne Anfang dieser Woche geht es in der Kommunalpolitik rund. Der Altstadtverband warnt, dass die Altstadt "viel an Lebendigkeit und Attraktivität" verlieren werde. Das Signal sei: " Gäste und Einheimische sind nicht willkommen."

Auch die ÖVP spricht von einer "Touristenvertreibungsaktion". Harald Kratzer, Geschäftsführer des Großgasthofs Sternbräu in der - nach den Plänen von Padutsch stundenweise gesperrten - Griesgasse, sieht gar das Ende seines Betriebes kommen: Sein Lokal liege dann in der "Todeszone, am Ground Zero" beklagt er bei einem gemeinsamen Medientermin mit ÖVP, Altstadtverband und der städtischen Tourismusgesellschaft. Deren Geschäftsführer, Herbert Brugger, warnt vor einem "medialen Desaster" durch den Begriff "Stadtsperre".

Anderen aus der Fremdenverkehrswirtschaft wie etwa dem Präsidenten der Österreichischen Hoteliersvereinigung, Sepp Schellhorn, geht die temporäre Sperre nicht weit genug. Der Plan sei zwar "ein guter Ansatz", man müsse aber die Stadt 365 Tage im Jahr lebenswert gestalten. Schellhorn würde eine weitergehende Lösung nach dem Vorbild italienischer Städte begrüßen.

Vorsichtig positiv äußern sich inzwischen auch Vertreter der SPÖ. Man stehe den Vorschlägen "grundsätzlich positiv gegenüber", sagt Planungssprecher Michael Wanner im Standard-Gespräch. Dass eine Lösung kommen muss, "ist klar". Allerdings dürfe man über den Altstadtverband " nicht drüberfahren".

Lostag für das sommerliche Staumanagement ist der Freitag kommende Woche. Altstadtverband, Padutsch und Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) wollen über die autofreie Innenstadt verhandeln. Schaden lehnt Sperrgitter ohne Zustimmung der Innenstadtkaufleute ab. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 27.4.2012)