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Die Ukraine wird von der EU beobachtet.

Foto: EPA/SERGEY DOLZHENKO

Berlin - In Deutschland wird ein Boykott der Fußball-EM in der Ukraine immer heftiger diskutiert - wegen der Haftbedingungen für Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko. Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) deutete ein Fernbleiben an. Er habe ein Pro-blem damit, als Sportminister während der EM bei Spielen zu sitzen, "und zu wissen, da wird Kilometer entfernt jemand nicht nach den Regeln, die wir uns gemeinsam gegeben haben in der zivilisierten Staatenwelt, behandelt".

Sollte er zum Spiel Deutschland gegen die Niederlande nach Charkiw fahren, dann wolle er die im dortigen Frauengefängnis inhaftierte Timoschenko treffen und sich persönlich von ihrem Zustand überzeugen. Volker Beck, Menschenrechtsbeauftragter der Grünen, erklärte, Kanzlerin Angela Merkel solle "bei einem Besuch in der Ukraine Timoschenko im Gefängnis besuchen und sich nicht neben Janukowitsch auf eine EM-Tribüne setzen".

Grünen-Chefin Claudia Roth rief zum Boykott der EM auf: "Kein Bundestagsabgeordneter sollte in dieser Situation EM-Spiele in der Ukraine besuchen." Auch sie werde dies nicht tun. Einen Boykott bringt auch der Chef des außenpolitischen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), ins Spiel: Sollte sich die Lage der inhaftierten Timoschenko nicht verbessern, müsse jeder überlegen, ob er eine Einladung annehmen könne. Polenz: "Ich glaube schon, dass sehr viele sagen werden, unter den Umständen werden wir eben zu Hause bleiben."

"Sport kein Werkzeug"

Michael Vesper, der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), hingegen lehnt eine solche Maßnahme ab. Besser wäre es, "die Dinge zu thematisieren und ihnen dadurch eine größere Aufmerksamkeit zu beschaffen, als sie sonst bekämen". Dass die Welt sich jetzt mit der Ukraine beschäftige, sei ein Verdienst der EM, der Sport aber kein "beliebiges Werkzeug" der Politik". Die Ukraine richtet die Fußball-EM ab 8. Juni gemeinsam mit Polen aus. (bau/DER STANDARD, Printausgabe, 28.4.2012)