Rudolstadt - Der Präsident des deutschen PEN-Zentrums, Johano Strasser, hat sich entschieden dagegen gewandt, Günter Grass die Ehrenpräsidentschaft der Schriftstellervereinigung abzuerkennen. Gefordert wird dies in einem Antrag zur PEN-Jahrestagung Mitte Mai im thüringischen Rudolstadt wegen Grass' israelkritischem Gedicht "Was gesagt werden muss". "Ich bin hundertprozentig sicher, dass dieser Antrag mit großer Mehrheit abgelehnt wird", sagte Strasser am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Grass sei kein Antisemit und habe nie das Existenzrecht Israels infrage gestellt.

Literaturnobelpreisträger Grass hatte in dem Gedicht geschrieben, dass die Atommacht Israel den Weltfrieden bedrohe und das iranische Volk mit einem Erstschlag auslöschen könne. Dies hatte ihm heftige Kritik eingebracht. "Es war völlig richtig, sich gegen die Politik der jetzigen Regierung in Israel zu stellen", verteidigte Strasser den 84-Jährigen. "Es ist aber sicherlich nicht glücklich gewesen, solche Dinge in ein Gedicht zu sperren." Die Reaktionen hätten gezeigt, dass sich ein Teil der israelischen Regierung offenbar ertappt gefühlt habe. Mit deren Politik könne in der Region niemals Frieden geschaffen werden, konstatierte Strasser und verwies dabei etwa auf die umstrittene Siedlungspraxis.

"Writers-in-Prison"

Weder Grass selbst noch der Antragsteller, dessen Namen Strasser nicht nennen wollte, würden zur Tagung kommen können. In Rudolstadt werden vom 10. bis 13. Mai mehr als 100 Mitglieder des PEN erwartet. Dann soll auch ein neuer Beauftragter "Writers-in-Prison" gewählt werden. Als Nachfolger des Journalisten Dirk Sager, der aus gesundheitlichen Gründen ausscheidet, haben sich der Germanist Lutz Götze und der Gießener Literaturwissenschaftler und Publizist Sascha Feuchert beworben. In einer der öffentlichen Veranstaltungen werden verfolgte Schriftsteller wie die Iranerin Mansoureh Shojaee und der Chinese Zhou Qing über ihre Arbeit berichten.

Die Schriftstellervereinigung wurde 1921 in England gegründet. Sie tritt als Anwalt des freien Wortes auf und will eine Stimme verfolgter Schriftsteller sein. Die Abkürzung PEN steht für "Poets, Essayists, Novelists" (Dichter, Essayisten, Romanautoren). Das deutsche PEN-Zentrum ist eines von mehr als 140 weltweit. Es hat nach eigenen Angaben rund 700 Mitglieder. (APA, 27.4.2012)