Eine gediegene Mischung aus Xenophobie und Zoophilie ist seit langem bewährte Geschäftsgrundlage der "Kronen Zeitung", an der zu rütteln auch der Wiener Erzbischof, der das Blatt gern und regelmäßig als Kanzel für seine Sonntagspredigten nutzt, keinen Anlass sieht. Nun ist im Kleinformat mit dem großen Herzen eine neue Variante der einen Seuche ausgebrochen, ohne dass die andere eine Mutation erfahren hätte - die Dogmania. Österreich sucht den Superhund. Dass die mystische Einheit von Österreich und der "Krone" jeden Befall mit Xenomania ausschließt, liegt auf der Hand, denn wenn Österreich den Superhund sucht, sind Ausländer bestenfalls der hohe Preis für die Ostöffnung.

Beim Vergleich zwischen einem inländischen Hund und einem Ausländer spricht alles für den Hund, die jeweiligen "Krone"-Spezialisten sprachen es in den letzten Tagen offen aus. Ehre, wem Ehre gebührt! Das könnte das Motto des großen Bewerbs "Dogmania - Österreich sucht den Superhund" sein. Die "Krone" und das Hundemagazin "Wuff" machen sich auf die Fährte der süßesten, liebsten oder zu unglaublichen Leistungen fähigen Vierbeinern (sic!) des Landes, japste Maggie Entenfellner aus der Tier-Ecke.

Daneben können die Zweibeiner des Auslandes nur abfallen. Sie verweigern entweder die Leistung oder sind zwar zu unglaublichen Leistungen fähig, dann handelt es sich aber leider nicht um die süßesten, liebsten Zweibeiner, wie Claus Pándi enthüllte. Ausländer wollen nicht Deutsch lernen, jammerte er am Sonntag, nur 20 von Zigtausenden Fremden, die zuletzt auf oft verschlungenen Pfaden den Weg nach Österreich gefunden haben - um hier zu arbeiten, hier zu leben, hier zu bleiben. Wie sie hier aber sprechen, bleibt rätselhaft. Könnten sie bellen, wäre das für die "Krone" kein Problem, aber der Gedanke, dass sich hier jemand fürs Erste auf Englisch oder gar in seiner Muttersprache zu verständigen sucht, ist dort unfassbar. Sogar der gestrenge Herr Innenminister, auf die Lernträgheit der Gäste angesprochen, reagiert gelassen: "Wir sind erst in der Einführungsphase . . ." Aber Pándi hört schon heraus, was er unbedingt durchklingen lassen will: Wobei hier ein bisschen die Drohung seines Inte- grationsvertrags durchklingt: Denn nach vier Jahren kann der nicht besuchte Kurs oder das Fehlen von Sprachkenntnissen in der Aufforderung zum Verlassen Österreichs münden.

Bis zur Mündung des nicht besuchten Kurses in die Aufforderung zum Verschwinden ist der Superhund längst gefunden, denn das Mitmachen ist ganz einfach, jedenfalls einfacher als für einen Ausländer, der in Österreich mitmachen will. Wenn Ihr Rex oder Strolchi irgendetwas Besonderes kann oder vollbracht hat, also kein Grund zur Klage über landesfremde Lernträgheit besteht, schicken Sie uns ein bis drei Fotos und maximal eine mit dem PC oder der Schreibmaschine geschriebene Seite mit Infos über Ihren Superhund.

Ob ein Ausländer irgendetwas Besonderes kann oder vollbracht hat, interessiert das Kleinformat höchstens, wenn er ein Supersportler ist. Sonst können die Zweibeiner die Vierbeiner um das, was die "Wuff-Krone" für sie bereithält, nur beneiden. Den Siegern winkt ein einwöchiger Aufenthalt in einem Hundehotel in Österreich, den Zweitplatzierten Hundefutter für ein Jahr, den Dritten Futter für ein halbes Jahr.

Das winkende Hundefutter ist vielleicht auch der Wink mit dem Zaunpfahl für die osteuropäischen Verbrecherbanden. Da kann der Innenminister noch so Druck machen, es gibt immer weniger Möglichkeiten, die Kriminellen aus dem Osten zu stoppen. Oder ist es doch die Ostöffnung? Wenn ja - die Öffner finden vor Pándi keine Gnade. Und jeder, der sich über diese Ostöffnung nicht freut, sondern deshalb ein wenig besorgt ist, hat gleich als mieser Kerl zu gelten und soll sich ordentlich was schämen. Das meinen jedenfalls EU-Erweiterungsenthusiasten vom Schlage eines Erhard Busek. Jene noblen Europa-Romantiker also, die nichts befürchten müssen. Meist haben sie gewissermaßen geschützte Arbeitsplätze und dürfen noch dazu mit feinen Politikerpensionen rechnen.

Fehlt nur noch, dass sie in einem Hundehotel in Österreich übernachten dürfen! Warum kann Erhard Busek, statt Kriminellen aus dem Osten Vorschub zu leisten, nicht einfach österreichischer Hundeenthusiast sein? Dann hätte auch er sich Sonntag ungetrübt am Foto eines waschechten Österreichers erfreuen können. Dieser herzige Racker ist nicht nur ein süßer Begleiter und "Helfer" bei der Heuernte - er ist auch ein waschechter Österreicher. Der Pinscher ist die einzige heimische Rasse, jedoch fast schon in Vergessenheit geraten.

Aber eben nur fast. Denn patriotischen Pinschern, die sich als waschechte Österreicher anpreisen, gelingt es doch immer wieder, sich in Erinnerung zu rufen. (DER STANDARD; Printausgabe, 20.6.2003