Meditationsraum

Foto: Kloster Wandorf

Lounge im Dachgeschoß

Anreise & Unterkunft

Das Kloster Wandorf in Sopron erreicht man ab Wien-Meidling bequem und direkt mit den ÖBB in rund einer Stunde. Die Abholung vom Bahnhof wird auf Voranmeldung organisiert, bis zum Kloster sind es noch 10 Minuten.

Infos: www.sopronmonastery.org, info@sopronmonastery.org, Tel.: 0036/ 995 05 895, man spricht ausgezeichnet Deutsch. 18 EZ (80 Euro), 5 DZ (120 Euro). Yogastunden mit Melinda Ciorba sowie Massagen können gebucht werden. Von 18.-20. 5. gibt es ein Fastenprogramm, es wird aber auch geschlemmert. Küchenchef Victor Varga zaubert Menüs ohne Weißmehl und Zucker.

Foto: Kloster Wandorf

Zimmer

-> Fotos vom Kloster gibt's in dieser Ansichtssache.

Foto: Kloster Wandorf

Wenn man den Mund hält, fangen die Dinge an zu sprechen. Aber der Reihe nach: Die wussten schon, die alten Eremiten, wo sie sich niederlassen. So der heilige Wolfgang, der, bevor er Bischof von Regensburg wurde, noch ein bisschen Einkehr hielt in einem Wald nahe dem heutigen Sopron. Ab 1482 wurde der Ort von den Paulinern betreut, ein Kloster entstand.

Die Türken kamen und gingen, das Kloster wurde zerstört, wiederaufgebaut, ab 1891 von den barfüßigen Karmelitinnen übernommen, im Sozialismus enteignet, 1990 restituiert, kurzum, es hat, was man gemeinhin eine wechselvolle Geschichte nennt.

Es war im Jahr 2004, als den heiligen Schwestern das Dach schon beinahe auf den Kopf fiel, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Investor musste her. Aber davon später. So viel sei schon verraten – es ist gelungen. Und deswegen kann man im Kloster Wandorf jetzt Yoga oder eine Fastenkur machen, ein Firmen-Incentive veranstalten oder in Klausur gehen und einfach den Mund halten.

Es ist naturgemäß still, nur die eigenen Schritte hallen auf dem steinernen Wandelgang um das zentrale Quadrum, in dem ein Springbrunnen – nein, keine Fontänen wirft, das wäre bei weitem zu viel der Aufregung. Aus dem rosa Mamorbecken quillt das Wasser so zart wie eine Träne. Die dicke, schwarze Spinne, die ebenfalls hier Platz genommen hat, sieht das prosaischer und lauert einfach auf durstige Insekten oder so.

Sprechender Farbtupfer

Auf welche Gedanken man kommt, so ganz ohne Außenreiz! Hier hängen keine Bilder an den Wänden, keine Vorhänge an den Fenstern, auf jede Deko wurde verzichtet. Aus den ehemaligen Mönchszellen wurden Einzelzimmer mit wunderschönen, dunklen Dielenböden, auf denen ganz bescheiden ein simpler Kokosfaserteppich liegt. Die eigens angefertigten Möbel aus lackiertem Pinienholz glänzen feinsinnig. Das Interieur sagt: "Wir reduzieren jetzt einmal unsere Bedürfnisse, nicht weil wir es uns nicht leisten könnten, sondern weil wir es genau so wollen."

Das Muster des Bettüberwurfes, weiß auf weiß, findet sich auf den Fauteuils wieder, die einladend, aber nicht zu ausladend sind. Sie sagen: "Wir wollen uns entspannen, aber dabei gerade sitzen, nicht etwa reingefläzt, sondern konzentriert, nachdenklich." Ein kleiner Schreibtisch steht für Geistesblitze bereit. Das rote Meditationskissen ist der einzige Farbtupfer im Raum, es sagt: "Falls du Platz nehmen möchtest, ich bin da. Ich bin nicht sehr bequem, aber Zeichen deines guten Willens und deiner potenziellen Anstrengung."

Das Quadrum
Foto: Kloster Wandorf

Der Retroheizkörper, die schmiedeeisernen Griffe der Fensterläden, die zwei Handbreit hohen Sesselleisten – bei so wenig Einrichtung wird alles bedeutungsschwer, nur die mattweiße Nachttischlampe schwebt über den Dingen wie eine leere Sprechblase in einem sehr ernsthaften Comic. Wo nichts passiert, ist es schon eine Sensation, wenn es einen Löwenzahnsamen hereinweht. Man imaginiert weinende Manager, die Handy und Laptop am Empfang abgeben mussten.

Einzige Lektüre ist ein prächtiger Bildband: The Gábor Kovács Collection. Wenn man nicht wüsste, dass ebendieser der Financier dieses Hauses ist, dächte man: wie schön, wie kultiviert. So denkt man das Gleiche. Denn alles hier ist schön und kultiviert. Und das kommt so: Die Schwester Prior vom Anfang der Geschichte wurde durch ein TV-Interview auf einen der reichsten Männer Ungarns aufmerksam: Gábor Kovács, der soeben in Budapest seine Kunstsammlung eröffnete und das Wesens seines Mäzenatentums erklärte. Der schnöde Mammon allein, so der ehemalige Banker, mache nicht glücklich, deswegen werde er fortan ein Mann der guten Tat sein.

Gesagt, getan

Noch am Telefon versprach er die Rettung des Klosters – er soll geweint haben, als er drei Monate später sah, was er da gekauft hatte. Die Jahre hatten dem Bau arg zugesetzt, der Sozialismus das Seine getan, z. B. dem Heiligen Michael auf der Empore der klostereigenen Kirche ein Stalin-Gesicht gemalt. Da konnte selbst die Schwarze Madonna, die die Pauliner von jeher besonders verehren und die jetzt wieder auf ihrem angestammten Platz über dem Altar sitzt, nichts ausrichten. Das Refektorium war blau verfließt, die Fresken übermalt, das Gestühl herausgerissen, das Quadrum stand voller Müll.

4,1 Millionen Euro kostete die Renovierung, 45 Prozent davon übernahm der sogenannte Norwegen Fund (EWR-Finanzierungsmechanismus), den Rest Kovács. 2009 startete die Renovierung, im November 2010 wurde das Haus als Museum eröffnet, heute ist es ein Non-Profit Fortbildungs- und Meditationszentrum. Zum Glück hat Kovács nicht nur Geld, sondern auch Geschmack – oder lässt sich zumindest gut beraten. "Die Hauptsache hier ist die Stille", sagt sein Geschäftsführer Gabor Karsai bei einem Erbsensüppchen, das dieselbe Farbe hat wie der schöne, lichte Eichenwald vor der Tür. Und: "Unsere Gäste sollen die Zeit vergessen." Da ist es nur konsequent, dass die Uhr der Klosterkirche keine Zeiger hat, nur ein leeres Zifferblatt. (Tanja Paar, Rondo, DER STANDARD, 11.5.2012)