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Ein anderer Beitrag im Sammalband widmet sich einem Thema, das in der aktuellen Debatte häufig zu kurz kommt, nämlich das Thema Diskriminierung.

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"Integration" ist eine klassische Querschnittsmaterie. Man könnte auch sagen, "Integration" wirkt wie ein Filter, durch den man gesellschaftliche Systeme oder Institutionen betrachten und unter Umständen in einem ganz anderen Licht sehen kann.

Die Herausgeber Julia Dahlvik und Heinz Fassmann von der Universität Wien sowie Wiebke Sievers von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften haben im Jahrbuch 1/2011 einen methodologisch und thematisch differenzierten Band vorgelegt.

Die Beiträge decken so viele Themengebiete ab, dass es nicht möglich ist, in Kürze den Inhalt des gesamten Bandes zusammenzufassen. An dieser Stelle sei also nur eine selektive Darstellung geboten.

Migranten in den Medien krass unterrepräsentiert

Der Beitrag der Kommunikationswissenschaftlerin Petra Herczek etwa beschäftigt sich mit der Diversität in den Printmedien und im Journalismus. An Hand einer Studie aus dem Jahr 2009/10 wurde ermittelt, dass in Österreich nur 0,49% der Journalisten Migrationshintergrund hätten. Die ermittelte Ziffer ist mit Vorsicht zu genießen, denn nicht alle angefragten Medien nahmen an der Studie Teil. Dennoch kann man getrost davon ausgehen, dass die Repräsentation von Migranten in der österreichischen Medienlandschaft im Argen liegt. Als mögliche Ursachen werden fehlende Netzwerke und fehlendes Selbstbewusstsein genannt. Zudem kann man annehmen, dass sich in den letzten zwei bis drei Jahren diesbezüglich doch einiges getan hat.

Wer zu spät kommt...

Ein anderer Beitrag widmet sich einem Thema, das in der aktuellen Debatte häufig zu kurz kommt, wohl auch deshalb, weil es sich für eine "good-vibrations"-Diskussion auch kaum eignet, nämlich das Thema Diskriminierung. Der Autor Radostin Kaloianov nähert sich dem Phänomen Diskriminierung von einem historisch-philosophisch-ökonomischen Blickpunkt. Er postuliert, dass im Kontext einer wettbewerbsorientierten und beschleunigten Lebensweise unter kapitalistischen Bedingungen Brüche in der Biographie, wie etwa Migration, zu einer "Verspätung" führen; hat man den Zug verpasst, akkumuliert man "Negativkapital" und kann mit den anderen nicht mehr mithalten.

Nachschlagewerk für Migrationsforscher

Hintergrund des Forschungsbandes ist die erste Jahrestagung der Migrations- und Integrationsforschung in Österreich, die im September 2010 in Wien stattfand. Insgesamt forschten zwischen 2003 und 2008 rund 200 Personen in verschiedenen Disziplinen zu diesem Themenkomplex. Das Jahrbuch spiegelt diese Vielfalt wider und bildet ein gutes Nachschlagewerk für alle, die in diesem Feld weiterforschen wollen.

Ob dieser Sammelband allerdings auch an ein breiteres Publikum gerichtet ist, wie der Klappentext in Aussicht stellt, sei dahin gestellt; die Zugänge und die sprachliche Ausgestaltung der Beiträge sind über weite Strecken doch sehr "theorielastig" und damit für jene interessierten Leser, die sich außerhalb des akademischen Diskurses bewegen, womöglich eine Spur zu sperrig. Bleibt zu hoffen, dass die Forschungsplattform in Zukunft tatsächlich breitere Kreise erreicht, um es einer größeren Gruppe von Menschen zu ermöglichen, über ein gesellschaftliches Phänomen zu reflektieren, das letztlich alle betrifft. (Mascha Dabić, 15. Mail 2012, daStandard.at)