Wien ist eine so unendlich große Stadt und seine größeren Bürobauten werden in derartiger Geheimhaltung errichtet, dass man einfach nicht wissen kann, wenn so ein Büroklotz zur Vermietung angeboten wird.

Da braucht man als Justizminister halt leider einen Immobilienmakler, der zum Glück auch noch ein Parteifreund ist. Der kassiert schlanke 607. 000 Euro Provision aus Steuerzahlergeld dafür, dass er dem Justizminister Dieter Böhmdorfer verrät, da sei in einem Riesenprojekt etwas zu mieten.

Der Reihe nach: Das Justizministerium unter Böhmdorfer (FPÖ) wollte das Wiener Handelsgericht Riemergasse (alter Pleitiersgruß: "Wir sehen uns in der Riemergassen!") wegen Platzmangels absiedeln. Ursprünglich war ein Projekt am Rennweg geplant. Dann aber stellte sich heraus, dass es da ein Projekt in Wien-Mitte gab (für Nichtwiener: eine der größten Baustellen der Bundeshauptstadt). Und von wem bekam Böhmdorfer den Geheimtipp? Erraten - vom Immobilienmakler Ernst Karl Plech (FPÖ), der mit dem Eintritt seiner Partei in die schwarz-blaue Regierung plötzlich im siebenten Provisionshimmel war (auch bei der Buwog war er dabei). So vermittelte Plech für 607.000 Euro, die er aber - Bingo! - großteils an Walter Meischberger, den König der Provisionsmitschneider, weiterreichte. Böhmdorfer im U-Ausschuss: "Leider war die Provision nicht zu umgehen."

Das glauben wir sogar. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 22.5.2012)