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Die Urlauber bleiben aus.

Berlin – Die Griechenland-Krise und ihre Folgen hält offenbar immer mehr Deutsche von einer Urlaubsreise in das südeuropäische Land ab. "Griechenland läuft sehr schlecht – genau wie Nordafrika", sagte Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn. Griechenland werde zurzeit als Reiseziel kaum frequentiert. Womöglich hänge das mit einer Berichterstattung zusammen, nach der es in Griechenland mancherorts Groll gegen die Deutschen gebe. Mehdorn äußerte die Hoffnung, dass sich diese Negativentwicklung bald wieder umkehre, denn "Griechenland braucht den Tourismus".

Das Griechenland-Geschäft von Air Berlin liegt nach Angaben von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft derzeit bei etwa 30 Prozent dessen, was noch vor zwei Jahren erzielt wurde. In Griechenlands Öffentlichkeit wird Deutschland und namentlich Bundeskanzlerin Angela Merkel seit längerem mitverantwortlich gemacht für den harten Sparkurs, den das Land verfolgen muss, um in seiner akuten Notlage weiterhin finanzielle Hilfen seiner europäischen Partner zu erhalten.

Klagen über Einbrüche

Aus der Tourismus-Industrie hatte es in den vergangenen Wochen immer mehr Klagen über Einbrüche des Griechenland-Geschäfts gegeben. Für den krisengeschüttelten Euro-Staat im Süden Europas gehört der Fremdenverkehr zu den Säulen der Wirtschaft und den wenigen Branchen, in denen das Land ein starkes Potenzial hat.

So registriert die Touristiksparte des deutschen Handels- und Reisekonzerns Rewe sinkendes Interesse an Reisen in den Euro-Schuldenstaat Griechenland. "Uns macht Griechenland in der Tat Sorge", sagte Touristik-Vorstand Norbert Fiebig am Dienstag in Köln. Er erwarte, dass sich die Buchungszahlen für 2012 insgesamt negativ entwickelten. Derzeit lägen sie auch bei Rewe um rund 30 Prozent unter denen des Vorjahrs. Die Deutschen fürchteten einerseits "politische Instabilitäten" und damit Streiks in dem südeuropäischen Land, andererseits schätzten es die Kunden nicht, wenn in griechischen Medien negativ über Deutsche berichtet werde, sagte Fiebig. Das Nachbarland Türkei profitiere indes von der Krise – dort boomten die Buchungszahlen.

Mit "Holzklasse" auf Kundenfang

Air Berlin setzt unterdessen im harten Wettbewerb der Airlines auf einen neuen Billigtarif. Mehdorn stellte das neue dreistufige Tarifsystem "YourFare" vor, das dem mit hohen Verlusten kämpfenden Unternehmen mehr Einnahmen bringen soll. Neu ist unter anderem ab dem 1. Juli der Spar-Tarif "JustFly".

Der Check-in läuft dabei nur über das Internet, aufgegebenes Gepäck muss extra bezahlt werden. Daneben gibt es den Normal-Tarif "FlyClassic" und den Geschäftsreisenden-Tarif "FlyFlex", der mit zusätzlichen Leistungen versehen wurde. "Wir sind eine Airline für die normalen Menschen ... und wir wollen in diesem großen mittleren Segment unseren Kundenstamm finden", beschrieb Mehdorn die Positionierung von Air Berlin.

Als Billig-Airline sieht sich die Gesellschaft ausdrücklich nicht. Mehdorns Vorstandskollege Paul Gregorowitsch stellte aber klar: "Das bedeutet nicht, dass ab heute Air Berlin teurer wird", und das bedeute auch nicht, dass Air Berlin insgesamt billiger werde. Vielmehr gelte es, mit dem neuen Tarifsystem zielgenauer auf unterschiedliche Kundenbedürfnisse einzugehen.

Der neue Billigtarif von 78 Euro für Hin- und Rückflug auf ausgewählten innereuropäischen Strecken soll nicht immer und auch nicht auf allen Strecken angeboten werden. Er ist vor allem für Verbindungen gedacht, auf denen der Wettbewerb – auch durch Billigflieger – besonders stark ist. Der Preis bei "JustFly" deckt lediglich den Check-in via Internet, einen Snack und ein Getränk sowie ein Handgepäckstück ab. Für alles weitere muss der Passagier extra zahlen – ein am Flughafen aufgegebener Koffer kostet 30 Euro. (APA/Reuters, 22.5.2012)