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Speziell ausgebildete Hunde können Menschen dabei helfen, sich in einer Therapie mehr zu öffnen.

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Eine deutsch-österreichisch-schweizerische Forschungsgruppe untersucht die positiven Effekte.

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Hunde fördern die Fitness, reduzieren Angst und soziale Ausgrenzung. "Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, ist die Anwesenheit eines freundlichen Tieres nahezu unverzichtbar für das Aufwachsen von Kindern", sagte Verhaltensforscher Kurt Kotrschal zum Auftakt einer Vertragsreihe an der Universität Wien. Die positiven Effekte von Hunden auf Gesundheit und Wohlbefinden werden seit Jahren von einer Forschungsgruppe aus Österreich, Deutschland und der Schweiz untersucht. Zweimal pro Semester geben nun Experten Einblick in die Highlights des Forschungsgebiets Mensch-Tier-Beziehung. 

Tiergestützte Therapie bei Kindern

Der Einsatz von Hunden auch in Therapiesituationen mit Kindern wird bereits seit einigen Jahrzehnten praktiziert. Der US-amerikanische Kinderpsychotherapeut Boris M. Levinson berichtete schon 1964 von tiergestützer Therapie. In ihrem Vortrag präsentierte Psychologin Andrea Beetz von den Universitäten Rostock und Wien Forschungsergebnisse, die international für Interesse sorgten. Gemeinsam mit dem Psychologen Henri Julius von der Universität Rostock und Kotrschal konnte sie im Rahmen des DACH-Projekts den Zusammenhang zwischen der Abnahme des sogenannten Stresshormons Kortisol und der Anwesenheit von Hunden nachweisen.

Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren wurden in eine kontrollierte Stresssituation gebracht. Sie mussten vor Erwachsenen eine Geschichte erzählen, die dann "bewertet" wurde. Es wurden drei Gruppen gebildet: Einer stand eine freundliche junge Person zur Seite, einer anderen ein Stoffhund und der dritten ein richtiger Hund.

Niedriger Kortisol-Wert durch Beschäftigung mit Hund

Die aus Speichelproben gemessenen Kortisol-Werte zeigten, dass der Hund die Kinder insgesamt am besten entspannte. Die Kinder gingen zwar mit einem relativ hohen Kortisolspiegel in die vermeintliche Testsituation, dieser fiel aber im Verlauf des Tests kontinuierlich ab. In diesem Zusammenhang ist für die Wissenschaftler auch interessant, welche Rolle das "Wohlfühlhormon" Oxytocin spielt.

Das Ausmaß der Stressminderung hing jedoch davon ab, wie intensiv sich die Kinder auf den Hund einließen, berichtet Beetz. Die bloße Anwesenheit des Hundes als soziale Unterstützung reichte nicht aus, die Kinder mussten sich die positive Wirkung durch ihren Bezug auf den Hund selbst "abholen".

Soziale Funktion von Tieren in Spitälern

Auch in Krankenhäusern, Psychiatrien und Hospizen werden Haustiere eingesetzt, um Stress und Einsamkeit zu reduzieren. "Mit Hilfe eines Tieres kommen Menschen außerdem schneller ins Gespräch", berichtete Beetz ein bekanntes Phänomen aus der Hundezone. Zudem beurteilen Tiere nicht nach Aussehen oder Vitalität, sondern nur danach, wie sie vom Menschen behandelt werden.

"Es wird uns immer vorgeworfen, wir seien Kuschelpädagogen. Ja, das sind wir, und das ist gut so. Die positiven Effekte sind belegt", meinte Beetz. (jus, derStandard.at, 26.6.2012)