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Maria Fekter hat Staub aufgewirbelt, weniger bei den Investoren als in der Politik glaubt Börsenpsychologe Joachim Goldberg.

Foto: APA/Jäger

Wien - Politisch hat die Aussage von Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) - es sei nicht ausgeschlossen, dass auch Italien internationale Hilfe benötigen könnte - für viel Wirbel gesorgt. Italiens Ministerpräsident Mario Monti zeigte sich empört und sprach von "vollkommen unangemessenen" Äußerungen.

An den internationalen Finanzmärkten habe Fekters Einschätzung jedoch zu keinen Turbulenzen geführt, meint der deutsche Börsenpsychologe Joachim Goldberg, den das auch nicht überrascht. "Frau Fekter hat ja nichts gesagt, das prinzipiell ausgeschlossen wäre." Die Aussage sei zwar nicht die diplomatischste gewesen, für Investoren hätte das aber nicht viel Bedeutung. "Dass Italien Probleme hat, ist für Investoren längst präsent und eingepreist", sagt der Experte im Gespräch mit dem STANDARD.

Anlageexperten würden sich daher von solchen Äußerungen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Wenngleich bei Wortspenden dieser Art eines schon mitschwinge - nämlich die Frage, ob die betreffende Person mehr wisse, als bisher bekanntgemacht wurde und ob die Wahrscheinlichkeit größer geworden ist, dass ein bestimmtes Szenario auch tatsächlich eintritt.

Investoren waren nicht auf die Politik

Für Goldberg ist aber eines klar: "Investoren warten nicht mehr auf die Politik." Für Goldberg rührt das vor allem daher, dass die Politiker in der Eurokrise bisher nicht proaktiv agiert haben.

Daher verwundere auch die Aussage von Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds, nicht. Sie merkte zu Wochenbeginn an, dass der Eurozone noch weniger als drei Monate blieben, um die Probleme in den Griff zu bekommen. "Für die Gesamtstimmung ist das freilich nicht hilfreich", sagt Goldberg. Er vermutet, dass Lagarde damit den Druck erhöhen und die Leute aufwecken möchte.

Mit wohlformulierten Botschaften gehe das nicht mehr. "Extreminformation fällt auf", sagt Goldberg und spielt damit auch auf die Aussage von Angela Merkel an. Die deutsche Kanzlerin mahnte am Dienstag: "Wir stehen am Scheideweg."

Komplexe Lage

In Summe stehe man mit den Schuldenproblemen in der Eurozone derzeit vor einer Situation, in der kein Mensch wirklich wisse, was sich tun werde. Niemand könne wirklich abschätzen, was passiert, wenn tatsächlich ein Land die Eurozone verlässt. Die Situation an den Märkten sei dementsprechend komplex, die Politik daher doppelt gefordert.

Goldberg beruhigt zugleich. Denn je mehr Extremaussagen getätigt werden, desto schneller gewöhnen sich Experten und die Finanzmärkte an diese. Damit werden auch Warnungen wie jene von Hannes Swoboda, SP-Fraktionsführer im EU-Parlament, zur Normalität, die keine Hysterie mehr auslöst. Swoboda hatte am Dienstag in der "ZiB 2" erklärt, man müsse darauf schauen, dass die Griechen in der Eurozone bleiben. "Weil sonst die rumänischen Banken fallen, dann die ungarischen und andere - dann fallen auch manche österreichischen Banken oder kommen in große Schwierigkeiten", warnte Swoboda. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 14.6.2012)