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Foto: Reuters/Bimmer

Vielleicht war es die Rührung. Oder die Erleichterung, dass er tatsächlich ohne Pannen zum neuen Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein gewählt worden war. Kurz nach seiner Wahl im Kieler Landtag jedenfalls erklärte Torsten Albig: "Mir ist die Verantwortung für dieses Land sehr bewusst."

Da stutzten Freund und Feind in Berlin ein wenig. Denn von Albig ist man anderes gewöhnt. Bissig war er oft, als er noch in Berlin tätig war, ironisch, nie um eine Antwort verlegen. "Gelesen, gelacht, gelocht." So beschrieb er einmal, wie das Finanzministerium mit Briefen der klammen deutschen Kommunen umgeht.

Aber die neuen, schmeichelweichen Sätze von der Verantwortung gehören nun natürlich ins Repertoire eines Landesvaters - wenngleich eines eher jungen. 49 Jahre alt ist Albig und am vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere angekommen. Der letzte wird es nicht sein, davon sind viele überzeugt.

Auf dem Weg dorthin musste er sich oft durchbeißen. Aufgewachsen ist Albig in Ostholstein, nach dem Jus-Studium (Schwerpunkt Steuer- und Wirtschaftsrecht) arbeitet er für die Steuerverwaltung von Schleswig-Holstein.

Von der Finanzpolitik kommt er nie weg: Pressesprecher der Dresdner Bank, Stadtkämmerer in Kiel - so lauten weitere Karriereschritte, SPD-Mitglied ist er seit 1982. 2006 holt ihn der da malige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) als Pressesprecher nach Berlin.

Doch für andere zu sprechen reicht Albig eines Tages nicht mehr, er will selber gestalten. Die Gelegenheit bietet sich 2009, als in Kiel die Direktwahl des Oberbürgermeisters ansteht. Albig schafft es, sich knapp gegen die beliebte Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz (CDU) durchzusetzen, diese "aus den Pumps zu hauen", wie es Steinbrück formuliert.

Die nächste Hürde ist in der eigenen Partei zu meistern: Die SPD-Spitzenkandidatur für die Landtagswahl entscheidet Albig in einer Kampfabstimmung für sich. Nur am Wahlsonntag (6. Mai) geizt Fortuna mit ihrem Füllhorn. 30,4 Prozent schafft die SPD, viel weniger als die von Albig vollmundig angekündigten 40 Prozent. Die CDU liegt knapp vorne. Albig rettet sich und die SPD in die "Küstenampel" aus Grünen und Südschleswigschem Wählerverband.

Bisher hat der zweifache Vater nur Erfahrung mit klassischen Zweierbündnissen: Als Oberbürgermeister absolvierte er eine Zusatzausbildung, um als Standesbeamter Ehepaare trauen zu können. (Birgit Baumann /DER STANDARD, 14.6.2012)