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John Yates (li.) und John Timoney vor ihrem neuen Arbeitsplatz.

Foto: REUTERS/Hamad I Mohammed

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Timoney als Polizeichef von Miami. Im "Gulf News"-Interview räumt er ein, dass es zwar ein Recht auf Demonstrationsfreiheit gebe, Kundgebungen aber das Alltagsleben der Bevölkerung und die Wirtschaft nicht beeinträchtigen sollten.

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Ein erster Erfolg? Bahrainische Polizistinnen im Demo-Einsatz

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Der elfjährige Ali Hasan musste einen Monat in Polizeigewahrsam verbringen, weil er an einer Demonstration teilnahm.

Foto: AP/dapd/Hasan Jamali

Seit 17 Monaten tobt in Bahrain ein Aufstand der schiitischen Bevölkerungsmehrheit gegen das sunnitische Königshaus. Mit Unterstützung aus Saudi-Arabien werden Proteste niedergeschlagen: Das benachbarte Königreich schickte im Vorjahr Panzer und Soldaten. Die Besetzer des Perlenplatzes in der Hauptstadt Manama wurden vertrieben, das charakteristische Denkmal dort abgerissen. Zumindest 34 Menschen starben, vier davon in Polizeigewahrsam.

Ein damals in Auftrag gegebener Bericht einer Kommission unter Vorsitz des Ägypters Cherif Bassiouni enthielt schwere Vorwürfe: So wurden festgenommene Demonstranten gefoltert, andere verloren wegen ihrer Teilnahme an den Protesten ihre Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst.

Um eine Reform der Sicherheitskräfte in die Wege zu leiten, verpflichtete König Hamad den Briten John Yates, der als oberster Terrorismusbekämpfer für Scotland Yard tätig war, und den Amerikaner John Timoney.

Polizeichef in Miami

Timoney ist in den USA wegen seiner Tätigkeit als Polizeichef in Philadelphia und Miami bekannt. Er zog dort umfangreiche Reformprogramme durch, wurde aber wegen des Vorgehens seiner Beamten gegen Protestierende heftig kritisiert. Alleine nach dem Einsatz im New Yorker Tompkins Square Park, den er leitete, gab es 121 Beschwerden über Fehlverhalten der Polizei.

Als er das Kommando über die Polizei von Miami übernahm, war diese für ihren undisziplinierten Schusswaffeneinsatz berüchtigt. In mehreren Fällen schossen die Beamten auf junge Afroamerikaner, was regelmäßig zu Protesten und Ausschreitungen führte.

Timoney zählt es zu seinen größten Erfolgen, dass in den ersten 22 Monaten seiner Amtszeit dort kein Polizist einen Schuss abfeuerte. Er rekrutierte Angehörige ethnischer Minderheiten und investierte in nicht-tödliche Ausrüstung: er setzte für den Einsatz gegen Demonstrationen auf elektrisch geladene Schutzschilde, Reizgasspray, Gummigeschoße und Schlagstöcke. Der damals gedrehte Film "The Miami Model" dokumentiert den Einsatz dieser Gerätschaften beim "Free Trade of the Americas"-Kongress.

Ausländer dienen in Eliteeinheiten

Nach sieben Monaten in Bahrain gab der 63-jährige Timoney nun sein erstes großen Interview: Der "Gulf News"-Journalist Mick O'Reilly besuchte ihn im Innenministerium. Der Berater sieht einen Hauptgrund für die Polizeiübergriffe in der britischen Kolonialpolitik. Damals wurde alles darauf gesetzt, die Bevölkerung unter Kontrolle zu halten. Auch die Rekrutierung mit Ausländern besetzter Eliteeinheiten war schon damals üblich.

Auch heute noch stammen viele Angehörige der Sicherheitskräfte nicht aus Bahrain, sondern aus Pakistan, Syrien oder dem Jemen, weswegen sie von Demonstranten oft als "Söldner" beschimpft werden. Timoney will das allerdings nicht ändern, weil viele dieser Familien schon in der zweiten oder dritten Generation im Polizeidienst sind.

Heftige Kritik übt Timoney an der Berichterstattung über die Proteste in Bahrain: Er beklagt, dass seine Polizisten immer wieder mit Molotowcocktails angegriffen würden, während die Medien die Demonstranten als friedlich bezeichneten. Ein neuer Verhaltenskodex soll der Polizei nun nur noch erlauben, zur Selbstverteidigung Gewalt anzuwenden, außerdem sollen Menschenrechtstrainings statt Exerzierübungen ins Ausbilduingsprogramm aufgenommen werden.  Timoneys Beratervertrag ist auf zwei Jahre befristet. (bed, derStandard.at, 14.6.2012)