Lausanne - Künftig könnte eine neue Chemotherapie die Augen von Kindern mit Augenkrebs retten. Dabei wird das Medikament erstmals direkt in den Glaskörper injiziert. Die neue Technik hat das Augenspital Jules-Gonin in Lausanne zusammen mit dem Universitätsspital Lausanne (CHUV) entwickelt.

Die Methode, erfunden von Francis Munier, Leiter der pädiatrischen Augenonkologie am Augenspital Jules-Gonin, hat damit bereits einigen Kindern geholfen. Sie alle litten an fortgeschrittenem Retinoblastom, einem bösartigen Tumor in der Netzhaut des Auges, und hatten wenig Aussicht auf die Rettung ihrer Augen.

Rückfluss von Tumorzellen verhindert

Die Resultate sind viel versprechend: Von 23 Kindern, die diese Behandlung als letzten Ausweg erhielten, konnten sich 19 vollständig erholen. Damit konnte bei 83 Prozent der Patienten das Auge gerettet werden. Die Arbeit wird nun in zwei Fachartikeln und einem Editorial im "British Journal of Ophthalmology" vorgestellt.

Die Methode basiert auf einer speziellen Injektion, die den Rückfluss von Tumorzellen verhindert. Sie wird mit einer Vereisung der Nadel-Eintrittsstelle bei minus 70 Grad kombiniert. So werden jegliche Krebszellen zerstört, die unbeabsichtigt mit herausgezogen werden könnten.

Das Retinoblastom tritt schon bei sehr jungen Kindern auf und kann beide Augen betreffen. Ins Blut gespritzte Medikamente wirken nur im frühen Stadium, da sie die Netzhautschranke schlecht überwinden können, um an die Tumorzellen im Inneren des Glaskörpers zu gelangen.

Auge retten

Somit kann die Krankheit oft nur durch Entfernen des Augapfels gestoppt werden. Als letzter Ausweg kann eine Bestrahlung stattfinden, die manchmal das Auge rettet, jedoch andere Tumore auslösen kann.

Bis dahin war die Injektion von Medikamenten direkt in den Glaskörper tabu. Japanische Ärzte hatten dies als erste versucht, allerdings ohne eine Bestätigung der wissenschaftlichen Gemeinde zu erhalten. Somit blieb dies weltweit verboten, da das Risiko besteht, dass Tumorzellen außerhalb des Auges verteilt werden.

Im Dezember 2011 präsentierte Munier, der mit den Blutkrebs- und Neuroradiologie-Abteilungen des CHUV kooperiert, zum ersten Mal seine eigene Technik auf einem Kongress. Seither strömen sowohl Patienten wie auch Augenchirurgen nach Lausanne. Siebzehn Augenzentren haben bisher an der Prozedur Interesse bekundet, wie die beteiligten Kliniken mitteilen, die inzwischen von der Ethikkommission und von SwissMedic grünes Licht bekommen haben. (APA, 15.6.2012)